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MARIE-JO THÉRIO – s/t

Man kommt wohl nicht umhin, MARIE-JO THÉRIO mit anderen Fräuleinwundern an Klavier oder sonstigem Instrumentarium zu vergleichen, nur spielt hier die Herkunft eine nicht unwesentliche Rolle. Das meint in erster Linie natürlich die französische Sprache, für die man eine Affinität haben sollte, möchte man dieses Album ins Herz schließen. Meint allerdings auch, dass ihre Musik abseits gängiger popkultureller Rezeption stattfindet. Zum Hintergrund sei gesagt, dass die nebenbei auch schauspielernde MARIE-JO THÉRIO aus der frankokanadischen Provinz Neubraunschweig stammt. (Und wer ein Faible für kulturelle Minderheiten hat, kann sich gerne noch weitergehend mit den Akadiern befassen.) So findet sich eben ihre Heimatstadt „Moncton“ auch in einem Song wieder. Der Zugang zu den Songs wiederum findet ganz eindeutig über die Stimme statt, der die größte Präsenz eingeräumt bleibt. Das funktioniert, denn die Stimme füllt mühelos ein ganzes Spektrum aus, von verhalten bis vergnügt, von flüsternd bis flehend, blickt immerhin auch auf ein Musical-Intermezzo zurück. Die Songs und die Musik sind dagegen von der Grundstimmung her eher nachdenklich, so eine Art wärmende-Teetassen-Musik zur kontemplativen Einigelung (wofür auch das Artwork spricht). Einzige Ausnahme, in mehrfacher Hinsicht, ist der „Song for Lydia Lee“, wegen der chansonesken Leichtigkeit einerseits und dem einmaligen Wechsel zur englischen Sprache andererseits. Mehr oder weniger eine Auflockerung zur Halbzeit, die die Aufmerksamkeit wieder auf die fragile Musik lenkt, die auch die zweite Hälfte des Albums bestimmt. Mal abgesehen von „J’vas m’en aller“, wo MARIE-JO THÉRIO eine Intensität erreicht, die einer TORI AMOS in nichts nachsteht. Bleibt am Ende nur die Verwunderung darüber, wie diese Platte zu Blueprint gekommen ist? Denn das ist eigentlich nicht unsere Baustelle.