MAD CADDIES – Der Konflikt zwischen Tourleben und Nebenjobs

Schon von draußen hört man die Klänge der MAD CADDIES. Beim Betreten des Logos sind die Jungs gerade dabei, Soundcheck zu machen, doch nach zwei Songs geht Sänger Chuck von der Bühne, während der Rest der Band noch vier weitere Stücke spielt. Dafür hat er jetzt Zeit für mich, und wir gehen in den muffigen Tourbus (mal wieder) zum gemütlichen Pfefferminztee trinken.

Habt ihr euren freien Tag gestern hier in Hamburg genossen? Ich habe zwei von euch bei LESS THAN JAKE getroffen…
Ja, aber ich war nicht mit! Wir haben das normale Touristenzeug gemacht, Reeperbahn und so. Ich habe gehört, dass es ziemlich cool war. Wir sind mit LESS THAN JAKE vorher getourt, und sie sind eine wirklich großartige Band.

Wie ist es, auf einer eigenen Headliner-Tour zu sein?
Verdammt cool! Ich erwartet heute Abend schon ein paar hundert Leute! Viele der vorherigen Konzerte in England waren ausverkauft. Allerdings hatte ich einige Probleme mit meiner Stimme. Sie war für zwei Konzerte vollkommen weg, ich konnte nicht mal sprechen.

Ah, deswegen trinkst du jetzt Tee…
Ja! Wir haben einige neue Songs mit Hardcore-Parts und ich musste viel schreien. Ich war ein wenig nachlässig, hab mich nicht warm gesungen und dann war es plötzlich vorbei mit meiner Stimme.

Hast du eigentlich mal so was wie einen Vocal-Coach gehabt?
Als ich am College war, habe ich Gesangsunterricht gehabt. Das mit der Stimme war allein meine Schuld. Ich war an den ersten Tagen zu unvorsichtig, hab zu wenig geschlafen und zu viel gesoffen.

Aber von jetzt an wird alles besser?
Ja, natürlich!

Da du gerade von eurem neuen Album sprichst: es ist alles nicht mehr so skamäßig wir früher, stattdessen härter. Warum?
Ich weiß es nicht genau. Die Songs fielen uns gerade so ein, als wir das Album geschrieben haben. Wir hatten kein Konzept im Studio, dass alles härter werden sollte oder so. Wir wollten nichts wirklich verändert, doch das ist dabei herausgekommen. Aber es gibt immer noch Reggae-Songs, Polka-Songs, viele unterschiedliche Sachen.

Warum hattet ihr zwei Drummer für das Album?
Als wir anfingen, das Album aufzunehmen, hatten wir noch einen anderen Drummer, der ist allerdings nach New York gezogen. Als wir den zweiten Teil aufgenommen haben, so ungefähr fünf Monate später, mussten wir uns halt einen neuen Drummer suchen.

Warum habt ihr eigentlich einen ABBA-Song auf eurer EP gecovert? War das eure musikalische Vergangenheit?
Nein, ich habe früher so Sachen gehört wie die BEATLES, die Platten von meinen Eltern, als ich noch klein war. Dann kam die Phase METALLICA, PEARL JAM, NIRVANA und so. Auf den Ska-Punk-Kram bin ich dann durch FISHBONE, MIGHTY MIGHTY BOSSTONES und SUBLIME gekommen. Die haben das Interesse an Underground-Musik in mir geweckt. Sascha, unser Gitarrist, ist ein großer ABBA-Fan, und als wir dann mal seine CD gehört haben, dachten wir: „Wow, wir müssen unbedingt einen dieser Songs covern!“

Und was läuft hier im Tourbus? Hört ihr alle die gleiche Musik, oder wie vertreibt ihr euch die Zeit?
Wir haben eine Playstation mit, allerdings haben wir sie noch nicht benutzt. Auf der letzten Tour haben wir nur „Goldeneye“ auf dem N64 gespielt. Ansonsten sehen wir uns ziemlich viele Filme an. In letzter Zeit häufig Ali G., er ist so komisch, er ist der Tom Green Englands! Leider bekommen wir ihn nicht in Amerika.

Gibt es von euch dieses Jahr noch eine EP, eine Single, etc. oder tourt ihr nur noch?
Erstmal machen wir diese Tour hier fertig, danach geht es nach Japan und durch Australien zusammen mit FRENZAL RHOMB. Wir werden irgendwann Mitte Juli für etwa einen Monat in den Staaten Pause machen und dann das Album in den USA und Kanada live präsentieren und kommen dann eventuell noch mal zurück nach Europa, bis dann jeder zu Weihnachten unsere Platte hat. Und dann machen wir bestimmt eine neue Platte.

Genießt du die Zeit im Studio? Oder ist dir das Tourleben wichtiger?
Ich genieße die Arbeit im Studio sehr, allerdings mag ich das Live-Spielen, denn da kann ich mich einfach betrinken und gehen lassen, mich zum Idioten machen und auf der Bühne total auszurasten. Im Studio ist es sehr interessant zu sehen, wir der Song entsteht, von den ersten Drumtakes bis zum letzten Mischen.

Hängst du die ganze Zeit im Studio rum oder nur für die Gesangsparts?
Nein, normalerweise bin ich die meiste Zeit dabei. Vor allem, wenn ich einen Song geschrieben habe, dann achte ich darauf, dass das Tempo stimmt, etc. und bin die ganze Zeit dabei. Bei den anderen Songs bin ich ab den Gitarrenparts immer da.

Was für Jobs habt ihr denn für die Tour aufgegeben?
Viele Scheiß-Sachen wie kellnern und so. Wir waren vier Monate nicht auf Tour und hatten alle kein Geld. Darum mussten wir arbeiten. Ich habe in einem Barbecue-Laden gearbeitet, das war ziemlich scheiße! Wenn du auf Tour bist, ist das nicht so schlimm. Du kannst wenig Geld ausgeben, da meist für alles gesorgt ist. Nur für Kippen und Alk abends in Kneipen, wenn wir unterwegs sind, gibt man wirklich Geld aus. Wenn ich dann zu Hause bin, habe ich meistens genügend Geld für ein, zwei Monate gutes Leben.

Habt ihr mal darüber nachgedacht, richtiges Geld mit der Musik zu verdienen, oder ist es wichtig für euch, im „Underground“ zu bleiben?
Ich denke die Major-Labels machen zur Zeit keinen guten Job. So wie sie mit neuen Technologien, wie zum Beispiel Napster umgehen, das ist scheiße. Napster hat uns geholfen, dass viele Menschen unsere Musik kennengelernt haben und jetzt zu unseren Konzerten kommen.
Fat Wreck macht einen guten Job, und es würde uns sehr schwerfallen, hier wegzugehen. Wir möchten die Menschen auf Tour erarbeiten durch unsere Shows und nicht wegen Promotion. Ich hätte es gerne so wie bei NOFX. Ohne Promotion Alben zu verkaufen, die Leute müssen einfach verrückt nach dir sein!