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LÜGEN – III

 
Zum Erscheinungszeitpunkt dieses Tapes sind LÜGEN bereits Geschichte, denn die Band aus Dortmund hat im September überraschend (zumindest für mich…) ihre Auflösung verkündet. Dass die hier enthaltenen zehn Lieder dennoch veröffentlich werden, ist aus meiner Sicht aber definitiv eine gute Entscheidung, denn abgesehen davon, dass sie einfach viel zu gut sind, um sie in die Tonne zu kloppen, gehören LÜGEN zu denjenigen Bands, die in ihren Texten – und darüber hinaus – wirklich etwas zu sagen haben. So hat Sängerin Sabrina mit einem ebenso richtigen wie wichtigen Statement zum Männerbiotop-Festival Ruhrpott Rodeo nicht unwesentlich dazu beigetragen, die aktuelle „Sexismus im Punk“-Debatte ins Laufen zu bringen. Auch auf „III“ bekommen Patriarchat und Vaterland natürlich ihr Fett weg, allerdings wie gewohnt nicht als plakative Phrasen, sondern in Form von Alltagsbeobachtungen und kleinen Geschichten. Der durch seinen gesprochenen Text herausstechende Song „Outro“ hat fast schon etwas Poetisches: „Deutschland, wenn ich durch deine Straßen geh, bin ich mir sicher, dass nichts hier sicher ist. Außer, dass tot ein Lebensstil sein kann“. Musikalisch werden LÜGEN gerne in die Post-Punk-Schublade gesteckt, mich persönlich erinnert der Sound allerdings eher an Formationen wie KAPUT KRAUTS oder eine sperrige Version von CAPTAIN PLANET. Wie dem auch sei – mit diesem Album hinterlassen LÜGEN auf jeden Fall ein würdiges Vermächtnis.
 

Bernd Cramer

Konzert-Junkie & Vinyl-Liebhaber. Schreibt über Musik, ohne zu Architektur zu tanzen.