You are currently viewing KINBOM & KESSNER – Anthropos

KINBOM & KESSNER – Anthropos

 
Tja, der Anthropos, der aufrecht gehende Mensch, was der schon alles so angerichtet hat in den Jahren, die er auf der Welt herumläuft… Davon unter anderem berichten KINBOM & KESSNER auf ihrem so betitelten Album, das neben der Beschäftigung mit dem Anthropozän auch die Frage aufwirft: Gibt es DEAD CAN DANCE jetzt auf Deutsch? Denn ähnlich klangvoll, ähnlich künstlerisch, zart und doch gewaltig kommt die Musik daher, die Sonja Kessner und Fredrik Kinbom uns ans Ohr schmeicheln. Hinzu kommt eine gute Prise BRECHT & WEILL, jede Menge Sprachgeschick und ein Gesang, der irgendwo zwischen Opernsaal und Sprechgesang changiert, die Spannung stets aufrecht und die Hörenden konzentriert hält.
Nein, KINBOM & KESSNER kann man nicht eben mal so nebenbei konsumieren, „Anthropos“ verlangt Aufmerksamkeit – und verdient sie sich auch. Abwechslungsreich, verschroben und dennoch tänzelnd bieten sich hier Songs zwischen Jahrmarkt und Mittelaltermarkt, zwischen Folkbühne und Kellerclub dem geneigten Ohre zur Nutzung an. Besonderes Augenmerk sollte hier wirklich auf den tiefgehenden, sprachlich gewandten und anspruchsvollen Texten liegen, denen glücklicherweise auch durch die zurückhaltende Musik genügend Raum geboten wird, um sich zu entfalten und auszustrecken.
Kein Album für den kurzen Moment, „Anthropos“ ist nicht der ONS, sondern die langjährige Beziehung, die nicht langweilig wird. Und wer wünscht sich die nicht?
 

Simon-Dominik Otte

Mensch. Musiker (#Nullmorphem). Schauspieler (#BUSC). Rezensent (#blueprintfanzine). Come on, @effzeh! AFP-Fan. (#Amandapalmer). Lehrer. Und überhaupt. Und so.