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DOUGLAS DARE – Aforger

Zwischen seinem Debüt und diesem Album liegen keine zweieinhalb Jahre, aber musikalisch ganze Welten. Als im Frühjahr 2014 mit „Whelm“ das Debütalbum von DOUGLAS DARE erschien, konnte man es guten Gewissens in das übrige Labelprogramm von Erased Tapes einsortieren: Modern Classic (Klavier) trifft auf zarte Electronics und eine tiefe Stimme. Die Songs: düster, etwas spröde, relativ schlicht, aber dennoch bewegend.
Beim Reeperbahn-Festival im Herbst wollte ich wegen der zahlreichen Konkurrenzkonzerte eigentlich nur kurz bei seinem Auftritt vorbeischauen und blieb doch bis zum Ende. Ein guter Moment, um in der Kiez-Hektik einen Moment der Ruhe zu finden. Und nicht nur das: der Resonanzraum wurde für eine knappe Stunde so etwas wie eine Wohlfühloase.
Mit „Aforger“ erschien im Oktober nun das zweite Album des Londoner Songwriters, und wenn es bekanntlich immer heißt, dass erst das zweite Album darüber entscheidet, ob man bleibt oder nicht, liefert DOUGLAS DARE damit ein klares Ja ab. Die Kompositionen sind hier wesentlich ausgefeilter, die Electronics gelten nicht mehr nur als nette musikalische Untermalung, sondern greifen entscheidend in die Songstruktur mit ein. Durch das Ergänzen von Chören, diversen Bläsern, Gitarren und erstmals auch Schlagzeug entfalten seine Songs eine wesentlich größere Vielfalt, ohne dabei jedoch den roten Faden zu verlieren oder als anstrengend experimentell wahrgenommen zu werden. Verglich ich sein Debüt noch mit PJ HARVEY, so geht sein zweites Album in Sachen Diversität schon mehr in Richtung BJÖRK, die DOUGLAS DARE auch als Inspiration zu „Aforger“ nennt. Gleichzeitig bleibt aber eine traurige Note durch seinen unverkennbaren, tiefen Gesang bestehen. Behaltet diesen Mann im Auge!