DIAMOND DOGS – Privatvorstellung

Die DIAMOND DOGS kommen aus Schweden und machen Rock. Das sollte eigentlich schon mal reichen, um hellhörig zu werden, ist Skandinavien doch unangefochtener Exportschlager, was musikalisches Gut aus jener Abteilung angeht. Mag das nun Schweine-, Glam-, Deathpunk- oder eben stilechter 70er Jahre-Rock wie im Falle der DIAMOND DOGS sein. Aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen sieht deren Tourplan auch einen Stopp in Göttingen vor. Nun ist Göttingen, obwohl Studentenstadt, eine weitestgehend konzertfreie Zone. Und so passiert es schon mal, dass der gemeine Göttinger mangels Erfahrung Schwierigkeiten hat, ein Konzert auf Anhieb zu erkennen. Anders kann ich mir nämlich nicht erklären, warum sich gerade mal zehn Gäste in der Musa einfinden, die Hälfte davon auch noch über die Gästeliste. Ich gebe ja zu, dass die Musa an einem Donnerstagabend, an dem es auch noch den ersten Schnee geben wird, nicht gerade das attraktivste Ziel abendlicher Freizeitgestaltung ist, liegt sie doch eher etwas abschüssig. Das sollte jedoch keine Entschuldigung für diesen kaum zu stoppenden Besucheransturm sein. Wie auch immer, die Beteiligten machen dennoch das Beste daraus. So wird das Publikum erstmal per Handschlag von der Band begrüßt, Tische und Barhocker werden direkt vor die Bühne geräumt, damit zumindest ein bisschen Atmosphäre aufkommt. Zu guter Letzt spendiert die Band noch eine Runde Bier, und es kann los gehen. Frontmann Sulo legt sich mächtig ins Zeug. So muss das wohl auch ausgesehen haben, als Rod Stewart noch knackig und frisch war und die FACES anführte. Den ersten Platz in puncto maximale Lässigkeit verdient allerdings Henrik „The Duke of Honk“ Widen, wie er da auf seinem Stuhl sitzend, einen Fuß an die Monitorbox lehnend, die Tasten bedient. Das Keyboard balanciert er dabei auf seinem Schoß. Den bringt so schnell nichts aus der Ruhe, würd ich mal sagen. Saxophonist Magic wirbelt durch die Gegend, nimmt nebenbei auch immer wieder den Schellenkranz zur Hand. Und Drummer Jesper Karlsson will den vorderen Bühnenrand auch mal aus nächster Nähe sehen und verfrachtet kurzerhand Sulo hinters Schlagzeug. Wenn der Saal gerammelt voll gewesen wäre, wär das hier eine einzige große Party geworden, so viel steht fest. 20 Hände klatschen trotzdem lautstark Beifall. Zwischendurch wird es auch mal ruhiger. Zu diesem Zwecke nehmen Sulo und Gitarrist Fredrik Fagerlund gleich vor der Bühne auf einem Barhocker Platz. Wann bekommt man schon mal so eine Privatvorstellung? Nach dem Konzert wird sich abermals per Handschlag beim Publikum bedankt. Und für den ein oder anderen Plausch ist auch noch Zeit. Ich muss sagen, ich hatte eine Menge Spaß an diesem Abend!
Die Tour durch Deutschland (siehe auch die Tourdaten-Seite) geht übrigens Anfang Dezember weiter. Dann auch in Städten, deren Einwohner etwas vertrauter mit dem Ereignis Konzert sein sollten, so dass sich solch eine Pleite hoffentlich nicht noch einmal wiederholt. 2006 wird es dann auch ein neues Album geben. Und natürlich auch wieder eine Tour. Also hingehen! Das lohnt sich wirklich.