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	<title>Interviews Archive - .:blueprint fanzine:.</title>
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	<lastBuildDate>Thu, 14 May 2026 14:37:06 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Zwischen Abschied und Aufbruch: Timo Kumpf über das Maifeld Derby und neue Formate</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Emil Drexler]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 14 May 2026 13:18:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Interviews]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Für viele Festivalbesucher:innen war das Maifeld Derby in Mannheim über Jahre hinweg ein Fixpunkt im Kalender – ein Ort für sorgfältig kuratierte Lineups jenseits des Mainstreams, mit Gespür für Trends, bevor sie Trends wurden. 2025 fand das Festival in seiner bisherigen Form ein Ende. Ganz verschwunden ist es allerdings nicht: In Heidelberg steht Ende Mai [&#8230;]</p>
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<p class="has-white-background-color has-background">Für viele Festivalbesucher:innen war das Maifeld Derby in Mannheim über Jahre hinweg ein Fixpunkt im Kalender – ein Ort für sorgfältig kuratierte Lineups jenseits des Mainstreams, mit Gespür für Trends, bevor sie Trends wurden. 2025 fand das Festival in seiner bisherigen Form ein Ende. Ganz verschwunden ist es allerdings nicht: In Heidelberg steht Ende Mai eine kleinere, eintägige Ausgabe an, seit Monaten ausverkauft. Und auch für den 15. August kündigt sich bereits Neues an – noch ohne konkrete Details.<br>Für uns vom blueprint-fanzine Grund genug, mit Timo Kumpf zu sprechen, dem Kopf hinter dem Maifeld Derby. An einem vorsommerlichen Montagabend telefonierte unser Autor Emil mit ihm – während sich Timo parallel einen Spaziergang gönnte. Es wurde ein Gespräch über Improvisation, Erinnerungen, politische Grenzlinien und die Frage, wie es weitergeht.<br><br><strong>Du hast in den letzten Wochen immer wieder ein „Save the Date“ für den 15. August gepostet. Was steckt dahinter? Mein Maifeld Freundeskreis und ich fragen uns jetzt alle, was du da geplant hast. Da Du dem Ganzen den Titel „Holidays Dehäm“ gegeben hast, kam schon aus Spaß die Frage auf, ob du BÜLENT CEYLAN mit musikalischer Begleitung von GRINGO MAYER engagiert hast.</strong><br>Ach Quatsch, natürlich nicht. Es wird im Grunde noch mal so etwas wie die Heidelberger Ausgabe – nur dürfen wir aktuell weder Ort noch Details nennen, weil wir noch auf Förderzusagen hoffen. Würden wir das vorher veröffentlichen, wäre die Förderung futsch.<br>Da die Veranstaltung in Heidelberg „Edition“ heißt, wird das im August dann „Amüsement“ heißen – einfach, um es klar vom „Derby“ abzugrenzen. Es gab nämlich schon falsche Pressemeldungen, dass das Maifeld Derby jetzt nach Heidelberg zieht.<br><br><strong>Dann lass uns über die „Edition“ am 23. Mai sprechen. Wie ist der aktuelle Stand und wie zufrieden bist Du mit der Entscheidung, das Ganze ins Leben gerufen zu haben?</strong><br>Für mich ist das eher so ein Nebenbei-Projekt – was es aber auch total befreiend macht, weil weniger Druck da ist. Wobei: Der kommt jetzt langsam, die Veranstaltung ist ja bald.<br>Die Resonanz war krass, das hat mich wirklich gefreut. Auch das Feedback zum Lineup ist gut. Die Planung lief lange eher nebenher und wurde erst spät konkreter, aber jetzt haben wir eine richtig schöne Mischung. Da sind Acts dabei, die noch sehr groß werden könnten, aber auch solche wie ARTIFICIAL GO, die wahrscheinlich immer klein bleiben – und genau das ist ja auch okay. Es geht mir einfach um ehrliche Musik. Ich werde mein Booking weiterhin nicht nach Trends ausrichten.<br><br><strong>Kannst du schon etwas zum noch unangekündigten Act sagen?</strong><br>Vermutlich der mainstreamigste Act im Lineup. Deutsche Band, weniger kantig – aber mit einer wichtigen politischen Botschaft. <em>(Inzwischen wurde der Act bekannt gegeben, es ist MARLO GROSSHARDT)</em><br><br><strong>Wie sieht es mit den Bühnen aus?</strong><br>Es gibt drei: eine kleine Open-Air-Bühne, einen kleinen Club und einen großen Saal. Insgesamt wird das eher gemütlich. Die größte Herausforderung war, das Konzept auf die neuen Gegebenheiten zu übertragen. Durch die geringere Kapazität wird es mehr Überschneidungen geben. Und ja, es wird Situationen geben, in denen der Club voll ist und niemand mehr reinkommt. Aber das kennt man ja auch von anderen Festivals.<br><br><strong>Du steckst gerade mitten in den Vorbereitungen. Was nervt dich bei der Organisation am meisten?</strong><br>Leuten hinterherrennen. Im Moment suchen wir wieder Helfer:innen – die Resonanz ist oft überschaubar. Viele alte Crew-Mitglieder sind noch dabei, aber die Dynamik muss erst wieder entstehen.<br>Ich habe früher schon mal ein kleines Dorf-Festival gemacht – da wusste ich manchmal einen Tag vorher nicht, wer überhaupt hilft. Und irgendwie hat es trotzdem immer funktioniert. So wird es diesmal auch sein.<br><br><strong>Wie viele Helfer:innen brauchst du?</strong><br>So 30 bis 40. Aber vieles ist noch nicht final – was ich ehrlich gesagt auch spannend finde.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="819" height="1024" src="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/05/MD26_Zeitplan-819x1024.jpg" alt="" class="wp-image-47577" srcset="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/05/MD26_Zeitplan-819x1024.jpg 819w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/05/MD26_Zeitplan-560x700.jpg 560w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2026/05/MD26_Zeitplan.jpg 1080w" sizes="(max-width: 819px) 100vw, 819px" /></figure>



<p class="has-white-background-color has-background"><strong>Warst du eigentlich sauer, als LOLA YOUNG beim Maifeld Derby abgesagt hat und kurz danach mit „Messy“ durch die Decke ging?</strong><br>Sie hat ja sogar zweimal relativ kurzfristig abgesagt. Beim zweiten Mal hieß es dann noch: „Wir spielen nächstes Jahr für dieselbe Gage.“ Da habe ich mir schon gedacht: Ja, klar – eher nicht. Die Wahrscheinlichkeit, dass das wirklich passiert wäre, war ohnehin ziemlich gering. Man sieht ja jetzt auch, dass sie nur Teile ihrer Tour spielen konnte.<br>Enttäuscht waren wir natürlich alle. Beim ersten Mal sogar noch mehr als beim zweiten. Mir war nämlich schon nach dem ersten Song klar: Die wird ein Superstar. Ich habe sie damals direkt angefragt, und die Zusage kam sofort. Ich weiß gar nicht mehr genau, ob da überhaupt schon mehr als dieser eine Song draußen war. Die ersten zwei, drei Releases waren auf jeden Fall überragend. Danach kam eine Phase, die ich persönlich eher bescheiden fand &#8211; ein bisschen belanglos vielleicht. Und dann ging es plötzlich wieder in die andere Richtung, und sie hat einen Hit nach dem anderen rausgehauen.<br>Wenn ich heute drauf zurückblicke, waren die Absagen aber noch im Rahmen. Aber es gab Fälle, die ähnlich wehgetan haben – LONDON GRAMMAR zum Beispiel, das war auch richtig schade.<br><br><strong>Was waren für Dich die größten Enttäuschungen und Überraschungen in der ganzen Maifeld Derby-Zeit?<br></strong>Schwer zu sagen. Wenn ich auf die Lineups zurückblicke, ist das schon absurd – was für Acts da gespielt haben und wie viele später riesig wurden. Oder wie rar sich manche auch danach gemacht haben. Es gibt Acts, die haben danach nie wieder auf einem deutschen Festival gespielt haben.<br>Bei den Enttäuschungen wären es wahrscheinlich eher die Fälle, die man von außen gar nicht sieht: Acts, die kurz vor der Zusage standen und dann doch abgesprungen sind – oder plötzlich meinten, sie müssten jetzt das Doppelte verlangen. Das sind die Momente, die einen wirklich ärgern. Aber selbst da fällt mir spontan kein konkretes Beispiel mehr ein.<br>Oft sind es eher die kleinen Dinge rund ums Festival, die mich genervt haben. Wir haben ja für viele Acts in Mannheim Hotelzimmer gebucht. Und das B&amp;B HOTEL, fast direkt am Festivalgelände, hatte da einen wirklich unangenehmen Chef. Ich war einmal mit Jan Müller (TOCOTRONIC) dort, und obwohl wir die Zimmer vorher gebucht hatten, wurden uns kurzerhand die Duschmöglichkeiten verwehrt. Wir sind extra hingefahren – und er hat Jan einfach nicht duschen lassen. Und nach zehn Jahren ist uns genau das wieder passiert: wieder wurden wir auf extrem unfreundliche Art abgefertigt und weggeschickt. Jan hat sich damals ziemlich laut Luft gemacht – aber ich war vermutlich noch einen Tick lauter.<br>Aber wenn ich rückblickend auf die ganze Zeit schaue, denke ich mir vor allem: krass, was da alles passiert ist – und krass auch, wie gerade bei kleineren Bands die Leute davorstanden und komplett abgegangen sind. Gerade letztes Jahr hat die Publikumsresonanz bei einigen dieser Acts noch mal alles in den Schatten gestellt.<br>Was mich auch immer besonders freut, ist, wenn Bands im Nachhinein darauf reagieren. Neulich haben GETDOWN SERVICES, BIG SPECIAL und ANTONY SZMIEREK ein gemeinsames Foto gepostet. Ich habe das mit „Class of Twenty Five“ kommentiert, und sie meinten zurück, dass sie sich erst kürzlich über das Maifeld Derby ausgetauscht haben. Das sind Bands, die wahrscheinlich vorher noch nie von Mannheim gehört hatten, dann dorthin kommen, eine richtig gute Zeit haben – und ein Jahr später immer noch darüber sprechen. Das finde ich schon ziemlich cool.<br>Oder persönliche Erinnerungen: Einer meiner allerliebsten Maifeld-Derby-Momente war, als THE NOTWIST 2013 gespielt haben und neben mir Elena Tonra von DAUGHTER mit Tränen in den Augen stand, mich angeschaut und gefragt hat, wer diese Band ist – sie konnte gar nicht fassen, wie unfassbar einnehmend der Auftritt und wie gut die Band war. Später gab es dann auch noch ein Foto von ihr zusammen mit Markus Acher von THE NOTWIST.<br>Ein anderer krasser Moment war, als KIKAGAKU MOYO im kleinen Zelt gespielt haben, als letzte Band am Freitagabend. Ich hing gerade im Backstage mit BILDERBUCH ab, als irgendwann der Anruf aus dem Zelt kam, wie lange wir noch machen können – die Stimmung sei komplett irre. Und ich meinte nur: völlig egal, lasst sie spielen, so lange sie wollen. Am Ende ging das bis 3:15 Uhr – und selbst dann wollte eigentlich niemand gehen.<br>Es gibt auch jemanden, der mir erzählt hat, dass er seine Frau auf dem Maifeld Derby kennengelernt hat. Oder auch du hast ja anfangs gesagt, dass du dort jedes Jahr mehr Leute kennengelernt hast und ihr inzwischen eine Gruppe von rund 25 Leuten seid, die sich immer wieder dort getroffen haben.<br>Das sind schon Dinge, die rückblickend etwas Besonderes sind – und genau solche Momente sind es auch, die mich dazu bringen, das Ganze jetzt im Kleinen weiterzuführen. Ich denke, so etwas wird es, je nachdem wie es personell und insgesamt klappt, auch weiterhin geben.<br><br><strong>Das ist schön zu hören. Meine Maifeld Leute und ich sind nämlich ehrlich gesagt schon ein bisschen verzweifelt, weil wir es dieses Jahr nicht so richtig schaffen, uns auf ein Festival zu einigen. Ein Teil von uns wird jetzt mal das Traumzeitfestival ausprobieren. Was kannst du denn sonst noch empfehlen – hast du Festivaltipps?</strong><br>Es sieht auf jeden Fall wunderschön aus dort beim Traumzeit – ich habe da mal mit GET WELL SOON gespielt. Zum Festival selbst kann ich aber gar nicht so viel sagen. Die Frage nach Empfehlungen bekomme ich tatsächlich öfter gestellt. Ich werde mein Glück dieses Jahr vielleicht eher im Ausland versuchen, aber hier in Deutschland kann ich das OBSTWIESENFESTIVAL bei Ulm wirklich sehr empfehlen. Da war ich letztes Jahr und fand es großartig.<br>Das GOLDEN LEAVES FESTIVAL hat auch immer ein spannendes Lineup, wobei ich da letztes Jahr ein bisschen frustriert war. Dass THE NOTWIST auf die kleine Bühne gepackt wurden und dafür PAULA CAROLINA auf der großen gespielt hat, fand ich schon ziemlich deprimierend. Ich hatte die beiden erst letzte Woche in Heidelberg: THE NOTWIST waren seit Wochen mit 800 Leuten ausverkauft, bei PAULA CAROLINA kamen 300. Da sieht man dann schon, dass sich Nachhaltigkeit in der Musik am Ende doch auszahlt.<br><br><strong>Du hast lange wenig deutschsprachige Acts gebucht. TURBOSTAAT, die beim Maifeld Derby mit T-Shirts immer stark vertreten waren, haben zum Beispiel nie dort gespielt?</strong><br>Da hast du absolut recht. Wenn man sich die ersten Jahre anschaut, sucht man deutschsprachige Acts im Lineup fast vergeblich. Ich habe auch lange gebraucht, um mit deutscher Sprache in der Musik wirklich warm zu werden – das hat mich einfach nicht so interessiert. Ich fand das, was international passiert, meistens spannender, oft auch mutiger oder vielseitiger. In den letzten Jahren hat sich das aber schon verändert. Ich habe da meinen Frieden mit gemacht und weiß inzwischen auch viele deutschsprachige Acts wirklich zu schätzen – wenn es gut gemacht ist. Da hat sich ja auch einfach viel getan. Mit TURBOSTAAT haben wir übrigens sogar mal zusammen gespielt, damals beim Phono Pop Festival, was es ja leider auch schon länger nicht mehr gibt.<br><br><strong>Wo du gerade deine ehemalige Band erwähnst – lass uns da kurz drauf eingehen: Wie lange hast du eigentlich bei GET WELL SOON gespielt? Und wie sehr fehlt dir das Leben auf der Bühne?</strong><br>Das müssten so um die 14 Jahre gewesen sein. 2006 habe ich mein erstes Konzert gespielt. Und dieses Jahr gibt‘s ja auch ein Jubiläum: 20 Jahre GET WELL SOON.<br>Ob es mir fehlt, auf der Bühne zu stehen? Ehrlich gesagt: Seit 2020 und bis vor ungefähr einem Jahr gar nicht – nullkommanull. Was mich selbst überrascht hat, weil ich immer dachte, dass mir das viel mehr fehlen würde.<br>Ich habe letztes Jahr mal in Österreich bei einer befreundeten Band ausgeholfen. Das war vor allem deshalb cool, weil ich mit dem ganzen Drumherum nichts zu tun hatte – also kein Aufbau, keine Organisation, dieser ganze Kram. Einfach ein bisschen proben und dann spielen. Das hat schon Spaß gemacht.<br><br><strong>Vorhin hatten wir das Thema Politik und Musik ja schon kurz angerissen. Wie stehst du grundsätzlich dazu? Und wo ziehst du für dich die Grenze? Zum Beispiel haben YOUNG FATHERS (unterstützen die BDS-Kampagne, die den Staat Israel wirtschaftlich, kulturell und politisch isolieren will) beim Maifeld Derby gespielt – während andere Festivals gesagt haben, sie wollen oder können sie nicht mehr buchen.</strong><br>Ich habe dieses Jahr zwei Bands im Programm, die einen Ticken über meine persönliche Grenze gehen. YOUNG FATHERS finde ich zum Beispiel überhaupt nicht kritisch – im Gegenteil, wegen denen habe ich mich mit der ganzen Thematik überhaupt erst beschäftigt.<br>Dann wurde ich irgendwann wegen KAE TEMPEST (damals noch KATE) sogar mal auf die Gemeinde zitiert. Ich meine: Wenn du anfängst, konsequent alle BDS-Supporter:innen zu blocken, dann bleibt von englischen oder irischen Acts irgendwann nicht mehr viel übrig. Da hat sich meine Sicht auch ein Stück weit gelockert – wobei das insgesamt natürlich eine extrem schwierige Thematik bleibt. Ich habe mich damit auseinandergesetzt und irgendwann für mich entschieden: Okay, die haben eben andere Meinungen.<br>Wobei ich diese ganze Boykott-Nummer ehrlich gesagt ziemlich schwierig finde – genauso wie dieses Geoblocking auf Spotify <em>(gemeint ist die Kampagne „No Music for Genocide“, bei der seit 2025 zahlreiche Künstler:innen ihre Musik in Israel regional sperren; Anm. d. Red.)</em>. Da sind die LAMBRINI GIRLS ziemlich weit vorne dabei. Hätte ich deren Hintergrund vorher genauer gekannt, hätte ich sie vermutlich nicht gebucht. Jetzt spiele ich sie dieses Jahr aber in Kooperation mit jemand anderem trotzdem nochmal im Sommer &#8211; der hat das durchgedrückt, ich hätte es wahrscheinlich nicht gemacht. Das bleibt einfach ein sehr schwieriges Thema.<br>Was ich allerdings überhaupt nicht akzeptiere, ist Hate Speech auf der Bühne. Da ist meine klare Ansage: Wenn das passiert, wird sofort der Strom gezogen. Das kommuniziere ich auch im Vorfeld an die Booker:innen.<br>Wenn ich aber nochmal auf YOUNG FATHERS und KAE TEMPEST zurückkomme: Ich habe bei beiden keinen einzigen unreflektierten Moment auf der Bühne erlebt. Ich habe mich damals sehr genau eingelesen und finde, man muss akzeptieren, wenn Künstler:innen aus ihrem Hintergrund heraus zu anderen Einschätzungen kommen.<br>KAE TEMPEST ist jüdischer Abstammung und hat sich mit der Thematik aus sehr unterschiedlichen Perspektiven beschäftigt. Wenn ich YOUNG FATHERS und KAE TEMPEST nicht mehr spielen lasse, reden am Ende irgendwann nur noch die Falschen.<br>Anders sehe ich das inzwischen bei THURSTON MOORE – den würde ich heute nicht mehr buchen.<br><br><strong>Bedeutet das auch, dass der Aufwand für dich steigt, den Background von Acts zu prüfen?</strong><br>Ja, absolut. Ich muss inzwischen bei wirklich jedem einzelnen Act schauen, was da im Hintergrund passiert. Und trotzdem kann dir bei aller Vorbereitung immer noch etwas durchrutschen – und dann hast du im Zweifel auch den wirtschaftlichen Schaden. Ich habe zum Beispiel vorher noch nie von AVAION gehört. Den hat ja jetzt jedes Festival gecancelt, seine ganze Tour ist gecancelt. Ich habe auch mal beim Zeltfestival SKA-P gebucht und mir gedacht: endlich mal eine klar politische, linke Band – nachdem dort sonst eher Acts wie ANDREAS BOURANI spielen, die ja eher keine Message haben, sondern nur zur Verdummung der Leute da sind. Und dann bekommst du plötzlich wieder Kritik, weil SKA-P angeblich antisemitische Bezüge hätten – was ich damals weder wusste noch in der Form nachvollziehen konnte.<br>Man darf bei der ganzen Sache auch nicht vergessen: Wir kämpfen in der Branche alle ums finanzielle Überleben. Und irgendwann hast du schlicht nicht mehr die Energie, jede Kooperationsfrage bis ins letzte Detail auszudiskutieren. Da entstehen dann Kompromisse, mit denen ich selbst nicht immer 100 Prozent glücklich bin und beim Bewerben einzelner Shows auch mal ein schlechtes Gefühl habe.<br><br><strong>Kommen wir zu einem anderen, aber durchaus auch politischen Thema. Hat sich die Stadt Mannheim nach dem letzten Maifeld Derby noch einmal bei dir gemeldet?</strong><br>Es gab danach vom Kulturbürgermeister diese klassischen politischen Floskeln. Man wolle sich „bemühen“ und so weiter. Gleichzeitig hat er aber auch gesagt, dass es ein großer Fehler gewesen wäre, das Maifeld Derby nicht mehr zu machen. Unterm Strich wird es jetzt eher noch schwieriger, irgendwann wieder auf das alte Niveau zu kommen. Aber man darf halt nicht vergessen: Wenn ich die Entscheidung damals nicht getroffen hätte, wäre ich heute schlicht pleite. Das war für mich am Ende die einzige logische Konsequenz. Und ehrlich gesagt: Die Stadt Mannheim ist mittlerweile komplett pleite. Da gibt es im Moment keinerlei Spielraum. Ich habe zwar gesagt, ich würde nie „nie“ sagen – aber gerade finde ich es auch mal okay, keine großen Ambitionen zu haben und den Laden einfach zuzumachen.<br>Für solche Festivals ist aktuell einfach keine Zeit, zumindest was öffentliche Gelder angeht. Gleichzeitig wird in Mannheim gerade das Nationaltheater saniert. Von dem Geld könnte man gefühlt 1000 Maifeld Derbys machen. Das ist alles komplett absurd.<br>Ich weiß nicht genau, wie es in anderen Ländern nach Corona aussieht, aber ich habe das Gefühl, dass es in Deutschland besonders kompliziert ist. Diese strikte Trennung zwischen E- und U-Musik ist einfach ungerecht: Die einen sollen quasi bewusst unwirtschaftlich arbeiten dürfen, die anderen müssen sich komplett selbst tragen.<br>Ich habe kürzlich gehört, dass Marek Lieberberg gesagt haben soll: Bands, die keine 500 bis 600 Tickets verkaufen, seien „halt auch schlecht“. Und wenn sie schlecht sind, müsse die öffentliche Hand sie auch nicht fördern.<br><br><strong>Das finde ich eine ziemlich harte Aussage &#8211; jede Band fängt ja irgendwann bei null an.</strong> <strong>Wir telefonieren jetzt schon ganz schön lange, eine Frage, die mich schon länger interessiert, habe ich aber noch: warum hast du dieses Derby-Dollar-System damals eingeführt?</strong><br>Im Grunde aus der Not heraus. Man hätte das in den letzten Jahren sicher auch anders lösen können – 2025 hatten wir ja immerhin schon Cashless. Aber es ist einfach enorm viel, was du im Vorfeld eines Festivals organisieren musst. Wir haben zum Beispiel kurz vor knapp noch die fünfte Kasse bestellt und umbauen lassen, weil klar war, dass es zu Stoßzeiten extrem voll wird. Wir sind kein großes Team, da kannst du nicht alles perfekt absichern.<br>Ganz am Anfang war es noch wilder: Da hat mir die Mutter eines Kumpels aus der Sparkasse 20.000 Euro Wechselgeld geliehen, obwohl ich das nicht mal auf dem Konto hatte – nach dem Motto: „Du bringst es schon wieder zurück, gell?“. Heute wäre das natürlich undenkbar. Deshalb haben wir schnell nach Alternativen gesucht. Diese großen Cashless-Systeme fangen oft bei rund 20.000 Euro an – das war für uns nicht machbar. Also haben wir uns das Prinzip der „Derby Dollars“ vom Techno Festival „Time Warp“ abgeschaut.<br>Ich finde das System grundsätzlich immer noch gut, auch wenn es manchmal zu Wartezeiten beim Umtausch kommt – oder auch am Einlass. Es gab einen Tag, da lief wirklich alles chaotisch, das nervt mich bis heute. Im Nachhinein hat darüber aber kaum noch jemand gesprochen.<br>Und ein Teil der Probleme lag sicher auch daran, dass die Leute fürs Ticketsystem sehr kurzfristig eingearbeitet wurden. Dafür hat es insgesamt aber erstaunlich gut funktioniert.<br><br><strong>Das finde ich auch. Und es waren halt auch alle aus dem Team immer super freundlich. Also die hast du schon gut instruiert. Das hat die Maifeld Derby Atmosphäre auch mit ausgemacht.</strong><br>Ich habe da gar nicht so viel bewusst gemacht. Diese Dynamik entsteht einfach. Klar, Engagement und Freundlichkeit im Team sind unbezahlbar.<br>Manches ist vielleicht auch ein bisschen dilettantisch – aber im Großen und Ganzen hat es schon gepasst. Und gerade im letzten Jahr lief, abgesehen von Einlass und Umtausch, eigentlich alles ziemlich rund.<br><br><strong>Gibt es dieses Jahr wieder Derby Dollars?</strong><br>Nein. In Heidelberg machen wir keine eigene Gastro. Das übernimmt die Halle02 selbst. Für uns ist das organisatorisch deutlich entspannter, auch wenn es finanziell weniger einbringt. Dafür sparen wir uns die Miete.<br>Ich bin ehrlich gesagt sowieso gespannt, wie das finanziell am Ende aussieht – da klafft noch ein Loch. Aber ich hoffe, dass wir im Mai und im August ein bisschen was auffangen können und dann wieder nach vorne schauen können.<br><br><strong>Lieber Timo, vielen Dank für die Zeit, die du dir genommen hast. Wir sehen uns dann am 23. Mai in Heidelberg.</strong><br><br>Wer noch tiefer eintauchen möchte, die empfehlenswerte Doku „Von Ponys und Dollars“ gibt weitere Einblicke in die Geschichte des Festivals:</p>



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<p class="responsive-video-wrap clr"><iframe loading="lazy" title="VON PONYS UND DOLLARS | Ein Dokumentarfilm über die Selbstausbeutung in der Festivalszene" width="1200" height="675" src="https://www.youtube.com/embed/WA5grQEvuig?start=1459&#038;feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe></p>
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		<title>ARRESTED DENIAL &#8211; &#8222;Offbeat heißt nicht gleich Ska Punk&#8220;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Bernd Cramer]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 20 Jan 2026 20:14:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Interviews]]></category>
		<category><![CDATA[bp_highlight]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Eines schon mal vorweg: Ich mag ARRESTED DENIAL! Und zwar nicht nur ihre Musik, sondern auch die Menschen, die dahinter stecken. Wir laufen uns immer mal wieder auf Konzerten oder Partys über den Weg, und mit Gitarrist Sascha war ich auch schon ein paar Mal als Zuschauer in den Gefilden des Hamburger Amateurfußballs unterwegs. Vielleicht [&#8230;]</p>
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<p class="has-white-background-color has-background">Eines schon mal vorweg: Ich mag ARRESTED DENIAL! Und zwar nicht nur ihre Musik, sondern auch die Menschen, die dahinter stecken. Wir laufen uns immer mal wieder auf Konzerten oder Partys über den Weg, und mit Gitarrist Sascha war ich auch schon ein paar Mal als Zuschauer in den Gefilden des Hamburger Amateurfußballs unterwegs. Vielleicht ist es gerade dieser persönlichen Nähe zur Band geschuldet, dass ich unglaublich gespannt auf ihr neues Album war, welches im Dezember (nach stolzen acht Jahren Anlaufzeit!) endlich das Licht der Welt erblickt hat. Doch das Warten hat sich definitiv gelohnt, und &#8222;Nirgendwo angekommen&#8220; zählt für mich zu einem der besten deutschsprachigen Streetpunk-Alben des abgelaufenen Jahres. Da mir beim Hören dennoch ein paar Fragen in den Sinn kamen, drängte sich ein kleines Interview fürs Blueprint geradezu auf. Weil sowohl bei mir als auch bei der Band die zeitlichen Kapazitäten derzeit etwas knapp bemessen sind, fand das Interview per Mail statt und wurde von Drummer Daniel und Frontmann Valentin beantwortet. Los geht´s!</p>



<p class="has-white-background-color has-background"><strong>Zunächst erstmal herzlichen Glückwunsch zu eurem neuen Album! Wenn ich richtig informiert bin, war ursprünglich geplant, &#8222;Nirgendwo angekommen&#8220; bereits vor einem Jahr zu veröffentlichen. Was waren die Gründe für die Verzögerung?</strong><br><strong>Daniel:</strong> Puuuuh, da kam einiges zusammen. Private Dinge vor allem, aber auch organisatorisch mussten wir teilweise in letzter Sekunde noch mal umplanen. Immer wenn wir dachten, wir sind jetzt auf Kurs, kam wieder irgendeine neue Katastrophe um die Ecke. Das war teilweise echt heftig stressig, und ich hatte manchmal wirklich Bedenken, ob wir das Album überhaupt an den Start kriegen. Umso glücklicher sind wir, dass es<br>jetzt doch noch geklappt hat und vor allem auch so gut ankommt bei den Leuten.</p>



<p class="has-white-background-color has-background"><strong>Eure vorherigen Veröffentlichungen sind ja alle bei Mad Butcher Records erschienen, in dessen Labelportfolio ihr mit eurem antifaschistischem Streetpunk meiner Meinung nach auch perfekt reingepasst habt. Das neue Werk erscheint hingegen beim musikalisch etwas breiter aufgestellten Label Bakraufarfita Records. Was gab den Ausschlag zu diesem Wechsel?</strong><br><strong>Daniel: </strong>Mad Butcher hat wirklich super gepasst die ganzen letzten Jahre. Wir haben auch ein richtig enges Verhältnis zu Mike und sind ihm sehr dankbar für seinen Support. Er steht auch jetzt immer noch voll hinter uns, obwohl wir woanders veröffentlichen. Aber sein Label ist halt schon recht spezialisiert auf eine gewisse Szene. Wir wollten da ein bisschen raus und schauen, wie unsere Musik funktioniert, wenn wir etwas breiter aufgestellt sind. Dafür passt Bakraufarfita perfekt. Die sind auch total im Punkrock verwurzelt, aber haben eben auch so Bands wie DIE TOTEN CRACKHUREN IM KOFFERRAUM oder 100 KILO HERZ und decken damit ja schon eine größere Bandbreite ab. Bönx von Bakraufarfita wollte eigentlich auch schon früher was mit uns machen, hat aber leider grob fünf Jahre gebraucht, um unsere erste Anfragemail zu beantworten. Damals war er also bisschen spät dran, diesmal hat alles perfekt gepasst. Da ließ dann eher unser Timing bei der Veröffentlichung zu wünschen übrig…</p>



<p class="has-white-background-color has-background"><strong>Eine weitere Veränderung ist, dass ihr mit Pip jetzt einen festen Trompeter in euren Reihen habt. Welchen Einfluss hat diese Erweiterung auf euer Songwriting? Auch unter dem Aspekt, dass ihr euer Merch-Sortiment um ein &#8222;Offbeat Antifa&#8220;-Shirt erweitert habt, drängt sich ja geradezu der Verdacht auf, dass ihr heimlich zur Ska-Punk Band mutiert&#8230;</strong><br><strong>Daniel:</strong> Moooooment. Offbeat heißt nicht gleich Ska-Punk. Valentin ist sehr stark von den ganz alten Sachen aus dem Reggae-Bereich beeinflusst, die 60er sind da so sein Jahrzehnt. Und das fließt auch in sein Songwriting ein, indem es neben den Punksongs immer mal wieder relativ klassische Offbeat-Nummern gibt, wie eben “Offbeat Antifa” oder auch den Titeltrack des Albums. Da ist dann meistens gar nicht mehr soooo viel Punk drin. Aber klar<br>schauen wir jetzt, dass etwas mehr Songs mit Trompete aufs Album kommen als früher. Das erweitert ja einfach auch die Möglichkeiten beim Songwriting, bei dem Valentin eh sehr stark mit Layern und mehrstimmigen Arrangements arbeitet. Da muss dann aber kein Ska-Punk bei rauskommen. Live sind inzwischen fast die Hälfte der Stücke mit Trompete, das ist schon ein großer Unterschied zu früher. Macht uns und den Leuten aber halt auch tierisch Spaß mit Pip. Die andere Hälfte der Konzerte sitzt er dann immer biertrinkend an der Theke und<br>schaut seiner eigenen Band zu oder tanzt irgendwo im Publikum rum.</p>



<p class="has-white-background-color has-background"><strong>Mit Steff von ALARMSIGNAL und Tex von SLIME haben es auch zwei prominente Gäste auf das Album geschafft. Wie kam die Zusammenarbeit mit den beiden zustande? </strong><br><strong>Daniel:</strong> Steff und Valentin kannten sich schon eine ganze Weile. Valentin wusste aber nie, dass Steff bei ALARMSIGNAL ist. Die hatten sich hauptsächlich über Fernreisen ausgetauscht und beim ersten gemeinsamen Konzert war Valentin ziemlich baff, als Steff da mit ALARMSIGNAL aufschlug. Steff wiederum ist schon lange heimlicher Fan von uns. Von daher war das eine relativ einfache Entscheidung und hat super funktioniert. Steff ist wirklich ein super netter Kerl und war auch beim Videodreh voll dabei. Auf Tex sind wir hauptsächlich wegen seiner Solosachen gekommen. Wir waren mal fast alle zusammen auf einem Konzert von ihm im Monkeys. Das hat uns echt umgehauen. Was für ein Charisma und was für eine krasse Stimme! Wir haben ihn dann einfach auf doof angeschrieben und hatten Glück, dass die Anfrage nicht untergegangen ist. Tex ist nicht so der Fan von Social-Media-Kontakten. Aber er fand den Song super und hat dann sogar noch seine eigene Strophe dazu geschrieben, die einen ganz anderen Flow hat als das Original von Valentin. Diese etwas andere Herangehensweise und vor allem die großartige Stimme von Tex geben dem Song noch mal eine andere Tiefe. Wir sind sehr glücklich mit dem Ergebnis.</p>



<p class="has-white-background-color has-background"><strong>In den Stück &#8222;Hamburg&#8220; beschreibt ihr eine Art Hassliebe zu eurer Heimatstadt. Ich als gebürtiger Hamburger würde mich zwar auch nicht gerade als Lokalpatrioten bezeichnen, allerdings weiß ich die Stadt und ihre vergleichsweise eher liberal bis progressiv geprägte politische Grundstimmung mittlerweile durchaus zu schätzen. Was genau läuft eurer Ansicht nach hier an der Elbe dennoch verkehrt? </strong><br><strong>Valentin:</strong> Diese progressive Grundstimmung kriegt aber doch immer wieder ziemlich Risse und muss permanent verteidigt und neu erkämpft werden. Und sie wird auch weniger durch die tatsächlichen Entscheidungsträger im Senat geprägt, sondern in erster Linie durch alternativ ausgerichtete Menschen, die das in Eigenregie in den verschiedensten Bereichen am Leben erhalten. Hamburger finden ihre Stadt ja in den meisten Fällen unglaublich toll und feiern nach außen hin dieses „Tor zur Welt&#8220;-Ding und ähnliches. Das machen sie aber eben meist auch nur bis zu der Buchsbaum-Hecke, die die Grenze ihres hart ererbten Vorgartens sichert. Da ist dann nämlich Schluss mit lustig. Man schaue sich dazu nur einmal diese unsäglichen Diskussionen und Bürgerinitiativen zu Geflüchteten-Unterkünften in so einigen nobleren Vororten an. Ich will hier jetzt aber auch nicht lauter Fallbeispiele aufzählen, was in Hamburg so falsch läuft. Natürlich sind hier bestimmte Meinungsbilder weniger etabliert als in einigen anderen Bundesländern, und dafür bin ich sehr dankbar. Es ist aber ein Trugschluss, dass die gesamtdeutsche politische Entwicklung vor den Toren der Stadt Halt macht. Dass das alles auf wackeligen Beinen steht, hat ja auch die Schill-Ära deutlich gezeigt.</p>



<p class="has-white-background-color has-background"><strong>Für ein paar Irritationen sorgten bei mir die beiden inhaltlich komplett unterschiedlichen Stücke &#8222;Nirgendwo angekommen&#8220; sowie &#8222;Nirgendwo. Angekommen.&#8220;, deren Titel sich lediglich durch das Setzen der beiden Punkte unterscheiden. Erzählt doch mal, welche Idee dahinter steckt. </strong><br><strong>Valentin:</strong> Die Punkte haben ja eine nicht ganz unerhebliche Auswirkung auf die inhaltliche Bedeutung der beiden Songtitel. In dem Titelsong des Albums „Nirgendwo angekommen&#8220; geht es um Selbstreflexion und eine Bestandsaufnahme, wo ich im Leben eigentlich gerade stehe, ob ich irgendeinen Plan habe und ob das bis hier und bis heute alles wirklich richtig war. Und in dem letzten Song auf dem Album „Nirgendwo. Angekommen.&#8220; geht es darum, dass ich mich immer dann „angekommen&#8220; fühle, wenn ich irgendwo sehr weit weg und<br>gefühlt am Ende der Welt bin. Ich wollte schon lange mal einen Song schreiben, der diese Stimmung etwas einfängt, weil mich solche Erfahrungen schon immer stark und nachhaltig geprägt haben. Da beide Texte meiner Gedankenwelt entspringen und damit zwangsweise auch inhaltlich zusammenhängen, könnte ich hier jetzt natürlich noch ziemlich viel dazu erzählen. Ich bin aber kein großer Fan davon, Songinhalte in größerem Maße zu sezieren. Ein Song soll immer eine gewisse Stimmung erzeugen. Und ein ganzes Album soll das auch. Daher ist auch die Positionierung beider Songs auf dem Album kein Zufall. Wenn man sich auf die beiden Texte einlässt, dann sprechen sie, finde ich, eine klare Sprache. Es sind ja keine völlig verklausulierten TOCOTRONIC-Texte.</p>



<p class="has-white-background-color has-background"><strong>Gebt uns doch bitte zum Abschluss noch einen kurzen Ausblick auf das neue Jahr. Was steht als nächstes im Hause ARRESTED DENIAL an, und welche Highlights erwarten euch und uns 2026? </strong><br><strong>Daniel:</strong> Wir wollen 2026 wieder richtig viel live spielen und freuen uns wahnsinnig darauf. Konzerte sind das, was uns allen am meisten gibt. Unsere ausverkaufte Releaseparty im Goldenen Salon vom Hafenklang mit KITTY COASTER und FLICK KNIVES war schon mal ein unglaubliches Fest für uns. Die FLICK KNIVES sehen wir auch bei ihrer eigenen Releaseparty am 6.2. in Köln wieder. Ein paar Festivals sind schon bestätigt, unter anderem das Beer Now Open in Bernau zum 30. Geburtstag von OXO 86. Eine Support-Tour ist auch schon relativ fix. Da dürfen wir aber noch nichts verraten. Unser Ziel ist es, dieses und nächstes Jahr jeweils auf 30-50 Konzerte zu kommen. Für 2026 sind wir schon auf einem guten Kurs. Ach, eine Sache noch: Wir suchen gerade wieder einen neuen Menschen am Bass, sehr gerne FLINTA*. Gerade eine weibliche Stimme wäre für unsere Songs noch mal eine richtig coole Erweiterung. Unser aktueller Bassist Janosch schafft das Konzertpensum leider aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr. Also meldet euch!</p>
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		<title>SOHN &#8211; Zwischen Nacht und Morgen: über die Kunst des Loslassens</title>
		<link>https://blueprint-fanzine.de/sohn-zwischen-nacht-und-morgen-ueber-die-kunst-des-loslassens/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jens Gerdes]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 02 Nov 2025 10:42:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Interviews]]></category>
		<category><![CDATA[bp_highlight]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>SOHN hat sich neu erfunden – indem er losgelassen hat. Auf „Albadas“ streift der britische Musiker alles ab, was Pop normalerweise ausmacht: keine Beats, keine Hooks, keine Stimme. Stattdessen öffnet er weit atmende Synthflächen und schwebende Klangräume, in denen Zeit fast stillzustehen scheint. Im Gespräch erzählt SOHN, wie das Leben als Vater und die Sonne [&#8230;]</p>
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<p class="has-white-background-color has-background">SOHN hat sich neu erfunden – indem er losgelassen hat. Auf <a href="https://blueprint-fanzine.de/sohn-albadas/">„Albadas“</a> streift der britische Musiker alles ab, was Pop normalerweise ausmacht: keine Beats, keine Hooks, keine Stimme. Stattdessen öffnet er weit atmende Synthflächen und schwebende Klangräume, in denen Zeit fast stillzustehen scheint. Im Gespräch erzählt SOHN, wie das Leben als Vater und die Sonne Spaniens seinen Sound entschleunigt haben – und warum Verletzlichkeit für ihn heute wichtiger ist als Perfektion. Mit viel Ruhe, Witz und Nachdenklichkeit blickt er auf seine Anfänge zurück und erklärt, warum er seine alten Songs am liebsten noch einmal aufnehmen würde – aber ohne jede Eile.</p>



<p class="has-white-background-color has-background"><strong>Wie geht’s dir? Und die wichtigste Frage zuerst – möchtest du das Interview auf Englisch, Österreichisch oder Spanisch führen?<br></strong><em>(lacht)</em> Haha, es geht mir gut! Ich komme gerade von einer kleinen Pressereise und habe gemerkt, dass ich Deutsch recht gut verstehe – aber Spanisch wäre furchtbar! Englisch ist super.<br><br><strong>Perfekt, dann machen wir’s auf Englisch. Zuerst zu deinem neuen Album: Du hast gerade „Albadas“ veröffentlicht – ein Album ganz ohne Gesang. Wie fühlt es sich an, etwas so Wortloses in die Welt zu entlassen?</strong><br>Ehrlich gesagt ist es eine echte Erleichterung. Ich habe schon lange mit dem Gedanken gespielt, so etwas zu machen. Es fühlt sich ganz anders an, ein Album zu veröffentlichen, auf dem meine Stimme nicht zu hören ist. Wenn man singt, sind es ja nicht nur die Stimme, sondern auch die eigenen Worte. Auf diesem Album wirkt es für mich so, als würde ich meine Gefühle in einer viel offeneren, weiteren Form ausdrücken.<br><br><strong>Ich habe gelesen, dass auch das Weltgeschehen deine Entscheidung beeinflusst hat, auf Gesang zu verzichten. War es aber auch ein Weg, die Hörer dazu zu bringen, sich stärker auf Deine Musik zu konzentrieren?</strong><br>Eigentlich entstand das, während ich versuchte, ein normales Album zu produzieren. Jedes Mal, wenn ich anfing, Texte zu schreiben, hatte ich das Gefühl: Niemand muss das gerade hören. Alles, was ich zu den Dingen in der Welt sagen wollte, klang zu banal oder unsensibel. Also habe ich mir Pausen gegönnt – einfach Instrumente gespielt und aufgenommen, nicht mit dem Ziel, ein Album zu machen, sondern um mich von diesem Druck zu befreien. Je mehr ich das tat, desto öfter fand ich Stücke, die mir wirklich gefielen. Und irgendwann dachte ich: <em>Vielleicht ist das das Album.</em><br><br><strong>Es hat sich also eher natürlich entwickelt?<br></strong>Genau. Ich habe es nicht geplant. Als ich schließlich beschloss, daraus ein Album zu machen, habe ich meine Festplatte durchgesehen – und das Album war im Grunde schon fertig.<br><br><strong>Und du hast es auf deinem eigenen Label veröffentlicht. Wäre es auch möglich gewesen, es über dein früheres Label 4AD herauszubringen?<br></strong>Mein Vertrag mit 4AD lief nach drei Alben aus. Und dieses Album wäre kein guter Start für einen neuen Deal gewesen – zumindest nicht kommerziell. Künstlerisch ist es ein tolles Statement, aber sicher nicht das profitabelste. Ich wollte nicht diesen Druck, es finanziell rechtfertigen zu müssen. Das Timing war perfekt, um es einfach selbst zu veröffentlichen – frei, ohne zu viel nachzudenken.<br><br><strong>Mir gefällt diese Entscheidung sehr – sie wirkt so frei, ohne Vorgaben.<br></strong>Genau. Mit einem Label folgt man oft ihren Marketingideen und gibt Geld aus, das man noch gar nicht verdient hat. Sie sagen dann: „Lass uns ein Musikvideo für 10.000 Dollar machen!“ Das würde ich auf meinem eigenen Label nie tun. Dieses Projekt gab mir die Möglichkeit, Neues auszuprobieren – mit wenig Risiko, ohne Druck – um daraus für das nächste Album zu lernen.<br><br><strong>Ein Freund von mir meinte, er liebe deine Stimme und vermisse sie auf diesem Album.<br></strong><em>(lacht) </em>Das ist gut so! Normalerweise würde mich so ein Kommentar verunsichern, aber diesmal gar nicht. Das bedeutet, wenn meine Stimme wiederkehrt, werden sich die Leute <em>wirklich</em> darüber freuen.<br><br><strong>Und ich glaube, deine Hörer wissen ohnehin, dass du dich nie auf einem Punkt ausruhst – bei dir scheint immer alles möglich.<br></strong>Genau darum ging es mir. Ich habe mich selbst immer als so einen Künstler gesehen, aber meine bisherigen Veröffentlichungen haben das nie gezeigt. Dieses Album beweist es endlich. Ich will ein mutiger Künstler sein – also muss ich Entscheidungen treffen, die mein Bauchgefühl mir vorgibt.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img decoding="async" loading="lazy" width="848" height="440" src="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2025/11/Sohn-interview.jpg" alt="" class="wp-image-46839" srcset="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2025/11/Sohn-interview.jpg 848w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2025/11/Sohn-interview-700x363.jpg 700w" sizes="(max-width: 848px) 100vw, 848px" /></figure>



<p class="has-white-background-color has-background"><strong>Und du wirst das neue Material auch live spielen?<br></strong>Ja. Einige instrumentale Shows – aber ich werde auch bei ein paar Songs singen. Ich habe schon ein Konzert in Berlin gespielt, und es hat sich großartig angefühlt.<br><br><strong>Ich habe dich <a href="https://blueprint-fanzine.de/maifeld-derby-2017-2/">2017 beim Maifeld Derby</a> gesehen. Und jetzt spielst du in einer Kirche in Hamburg, meiner Heimatstadt – leider bin ich da im Urlaub. Aber das ist ja eine ganz andere Atmosphäre, oder?<br></strong>Absolut. Auf dieser Tour gibt es bei jedem Konzert ein echtes Klavier. Das verändert alles. Ich war anfangs unsicher, ob das funktioniert – ich dachte, es wird vielleicht nur ein 30-minütiges Event. Aber nach dem Berlin-Konzert merkte ich, dass es gut eine Stunde tragen kann, sehr dynamisch sogar.<br><br><strong>Du arbeitest oft früh am Morgen, stimmt das?<br></strong>Ja, bei diesem Album schon. Normalerweise bin ich eher ein Nachtmensch, aber auf Reisen hatte ich Jetlag und wachte um drei oder vier Uhr morgens auf. Bevor ich Songwriting-Sessions hatte, spielte ich einfach Instrumente, um mich zu zentrieren – und daraus sind einige Stücke entstanden. Als ich zurück war, habe ich diese Routine beibehalten und bin aufgestanden, bevor die Kinder wach wurden.<br><br><strong>Es scheint, dass dich das Frühaufstehen auch in der Stimmung und im Klang stark beeinflusst hat. War es dir wichtig, so früh zu arbeiten?<br></strong>Ja, ich denke schon. Ich habe immer gemerkt, dass meine Umgebung und die Zeit, in der ich arbeite, meinen kreativen Prozess stark prägen. Der Ort, an dem ich Musik mache, färbt immer auf die Musik ab – also ist es interessant, dass sogar die Tageszeit das tut.<br><br><strong>„Albadas“ bedeutet „Dämmerung“ oder „Zwielicht“. Hat dieser Zwischenzustand zwischen Nacht und Tag für dich eine besondere Bedeutung?<br></strong>Ja, das war tatsächlich nicht nur, weil ich manche Stücke morgens aufgenommen habe. Es war eher ein musikalischer Prozess, der mich zu diesem Titel geführt hat. Alles auf diesem Album ist improvisiert. Was man hört, ist im Grunde genau das, was ich in diesem Moment gespielt habe – bis auf ein Stück, bei dem ich ein zweites Klavier überlagert habe.<br>Es gibt kein Mischen, kein Schneiden – fast alles ist in Stereo aufgenommen. Manchmal mit zwei Synths, manchmal mit einem Sequencer. Ich wusste nie, was ich spielen würde – ich habe einfach auf Aufnahme gedrückt und angefangen.<br><br><strong>Also war das ganz neu für dich?<br></strong>Komplett neu, ja. Klar, auch bei Songs mit Gesang arbeite ich oft spontan – aber hier war es ganz anders. Normalerweise entwickle ich Ideen, wiederhole Dinge, forme sie. Diesmal war es: Einschalten, spielen – und das war’s. Keine Wiederholung, kein zweiter Take. Einfach das, was in diesem Moment passiert.<br><br><strong>Das klingt fast wie eine analoge Aufnahme mit einer Band.<br></strong>Genau – so richtig „analog“ im Gefühl, ja. Und das Interessante am Titel „Albadas“ ist, dass ich meist nachts begann – und die Dämmerung sich während des Spiels ergab. Ich wusste ja nie, was passieren würde.<br>Zum Beispiel das Stück „<em>Ascent“</em>: Ich hatte einen Basssound gefunden, spielte ein Arpeggio dazu, und es klang sehr dunkel, fast bedrohlich. Aber während das Stück fortschritt, entwickelte es sich in etwas Erhabenes.<br>Am Ende fühlt es sich an, als würde man in den Himmel aufsteigen. Stell dir vor, das Stück beginnt in Dunkelheit – und endet im Sonnenlicht. Ob das wirklich so war, weiß ich nicht – aber musikalisch hat es sich so angefühlt.<br><br><strong>Ja, das hört man – düster und doch erhebend.<br></strong>Genau. Es entwickelt sich einfach organisch, weil ich intuitiv entscheide, was als Nächstes passiert. Jedes Stück auf dem Album entstand so.</p>



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<p class="responsive-video-wrap clr"><iframe loading="lazy" title="SOHN - Let Go / Ascent" width="1200" height="675" src="https://www.youtube.com/embed/TWAUtKuD7Js?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe></p>
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<p class="has-white-background-color has-background"><strong>Lustigerweise habe ich dein Album gehört, während ich einen Artikel über Grönland las – und es passte unglaublich gut zusammen.<br></strong><em>(lacht) </em>Vielleicht sollte ich die Platte auch in Grönland veröffentlichen?<br><strong>Haha, das wäre ein Volltreffer!</strong><br><br><strong>Wenn du heute dein erstes Album „Tremors“ hörst – wie blickst du darauf?<br></strong>Es ist interessant – ich mag es immer noch, was bei mir selten vorkommt. Ich bin wirklich stolz auf die Songs. Aber manchmal wünsche ich mir, ich hätte etwas von dem heutigen Gefühl hineinbringen können – mehr Geduld, mehr Raum. Ich denke oft, das Album ist fast <em>zu voll</em>. Ich würde heute vielleicht vier Songs streichen und stattdessen Instrumentalstücke einfügen.<br>Dann hätten die Songs, die bleiben, mehr Wirkung. Vielleicht mache ich das eines Tages – eine Neuauflage mit denselben Songs, aber dazwischen instrumentale Momente. Das wäre spannend.<br><br><strong>Du spielst ja auch Stücke von „Tremors“ in deinem aktuellen Liveset.</strong><br>Genau – und das ist cool, weil ich sie nun mit mehr Ruhe performe. Das verändert meinen Blick auf das Album komplett. Ich denke, das wird auch meine zukünftige Musik beeinflussen.<br><br><strong>Es fällt auf, dass du diesmal nicht nur auf Gesang, sondern auch auf Beats verzichtest und den Bass ziemlich zurückdrehst.<br></strong><em>(lacht)</em> Ja, das war lustig – als ich das Freunden erzählt habe, sagten sie: „Also keine Stimme?“ Ich sagte: „Nein.“ Und sie: „Keine Beats?“ – „Nein.“ – Schweigen…<br>Ich hatte einfach kein Gefühl für Rhythmus oder Schlagzeug in dieser Musik. Alles mit Beats fühlte sich zu formelhaft an. Also habe ich es weggelassen.<br><br><strong>Zwischen deinen Alben gibt es ja große stilistische Sprünge. Gibt es trotzdem etwas, das sie verbindet?<br></strong>Ja, das beschäftigt mich tatsächlich oft. Als Künstler fragt man sich ständig: <em>Was macht mich eigentlich aus?</em> Gibt es ein Element, das immer durchscheinen sollte, damit die Hörer mich wiedererkennen?<br>Für mich ist die Antwort: Es sind meine Entscheidungen. Ich hätte früher gesagt: meine Stimme – aber hier gilt das ja nicht. Trotzdem glaube ich, dass man „Tremors“ und „Alberta“ hört und merkt: Das ist derselbe Mensch.<br>Selbst wenn „Trust“ vielleicht ganz anders klingt – die Grundhaltung, die ästhetischen Instinkte, bleiben. Letztlich ist unser Geschmack das, was uns einzigartig macht.<br><br><strong>In den frühen Jahren wirkte SOHN eher wie eine Figur, ein Konzept – heute scheint alles offener und persönlicher.<br></strong>Ja, das stimmt. Am Anfang war SOHN fast wie ein Charakter, den ich erschaffen habe. Ich war damals ein sehr unruhiger, impulsiver Mensch – und dieser Charakter half mir, ruhiger zu werden, klarer Entscheidungen zu treffen, mich zu distanzieren.<br>Das war wie bei einem Gespräch, in dem man sich bewusst drei Sekunden Zeit nimmt, bevor man antwortet – um überlegt zu handeln statt instinktiv.<br>Mit der Zeit merkte ich, dass diese Figur ein Teil von mir wurde. Ich habe sie sozusagen verinnerlicht. Bei „Rennen“ oder „Trust“ war sie schon längst in meinem Blut.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img decoding="async" loading="lazy" width="881" height="461" src="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2025/11/sohn-interview_2.jpg" alt="" class="wp-image-46843" srcset="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2025/11/sohn-interview_2.jpg 881w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2025/11/sohn-interview_2-700x366.jpg 700w" sizes="(max-width: 881px) 100vw, 881px" /></figure>



<p class="has-white-background-color has-background"><strong>Also lebt dieser Charakter jetzt in dir weiter?<br></strong>Genau. Er war wohl schon immer Teil von mir – ich musste ihn nur finden. Heute bin ich ruhiger, sicherer, aber auch verletzlicher. Und das sehe ich als Stärke. Verletzlichkeit ist eine Superkraft. Sie schafft Verbindung. Wenn man anderen durch seine Offenheit das Gefühl gibt, gesehen zu werden – das ist das Schönste, was man geben kann.<br>Ich bin nicht stolz im klassischen Sinne auf meine Musik – sie ist nur ein Mittel. Aber wenn ich am Ende meines Lebens sagen kann, dass ich Verletzlichkeit, Echtheit und Liebe gegeben habe – dann ist es das, was zählt.<br><br><strong>Du hast in deinem Leben schon an vielen Orten gelebt – in Los Angeles, London und jetzt in Garraf, Spanien, umgeben von Meer, Bergen und Licht. Wie beeinflusst diese Umgebung deinen kreativen Prozess?<br></strong>Ja, das Leben hier verlangsamt vieles – vor allem das Arbeiten. Meine Kinder sind inzwischen etwas älter, aber es ist trotzdem schwierig, sich wirklich auf Kreativität zu konzentrieren. Das ist einfach so.<br>Als Künstler merkst du irgendwann, dass deine Zeitfenster für konzentriertes Arbeiten immer kleiner werden. Vielleicht würde ich, wenn ich an einem kalten Ort leben würde, öfter ins warme Studio gehen und mehr Musik machen. Aber hier ist es so schön und sonnig, dass es schwerfällt zu sagen: „Okay, ich gehe jetzt in den dunklen Raum und arbeite.“<br>Darum arbeite ich lieber nachts – da hat man das Gefühl, man verpasst nichts.<br><br><strong>Es sind also auch die Menschen um Dich herum, die auf Dein Schaffen Einfluss nehmen.<br></strong>Ich habe drei Kinder, drei Jungs – und das verändert alles. Der mentale Raum, den das einnimmt, darauf kann dich nichts vorbereiten. Als Künstler bist du ja automatisch ein bisschen Narzisst – du glaubst, dass das, was in deinem Kopf ist, wichtig genug ist, um es mit der Welt zu teilen. Und plötzlich hast du Kinder, und du fragst dich: <em>Muss das wirklich jemand hören, was ich zu sagen habe?</em><br>Das ist schwer zu überwinden. Und es gibt viele Momente im Alltag, in denen du gar nicht sensibel oder empfänglich für Gefühle sein kannst, weil du einfach funktionieren musst. Auch das verändert, wie du kreativ bist.<br><br><strong>Dein neues Album wirkt deutlich stiller als frühere Werke. Wenn du Musik ohne Worte machst – wie ersetzt du das Bedürfnis nach Sprache?<br></strong>Die größte Erkenntnis für mich war das Thema <em>Zeit</em>. Ich bin von Natur aus ein ziemlich ungeduldiger Musiker – immer in Bewegung, immer auf dem Sprung.<br>Bei diesem Album musste ich mir ständig sagen: <em>Atme! Entspann dich! Du musst nicht gleich zum nächsten Teil springen.</em> Instrumentalmusik erlaubt das. Sie geht nicht von A nach B in Eile. Das war eine echte Übung im Loslassen.<br>Bei Songs mit Gesang ist das anders – da gibt es ein Gespräch. Wenn jemand in einem Gespräch kurz schweigt, wartest du auf die nächste Antwort. Aber dieses Album ist <em>kein Gespräch</em>. Es ist ein <em>Gemälde</em>.<br>Und du darfst mir dabei zusehen, wie ich male. Das allein ist interessant genug.<br><br><strong>Und wann weißt du, dass Dein Gemälde fertig ist?<br></strong>Wenn ich spüre, dass es natürlich zu Ende ist – nicht, weil ich es plane, sondern weil es sich richtig anfühlt. Manche Stücke sind viel kürzer, als ich erwartet hätte, andere viel länger. Zum Beispiel „Timelapse“ – das wirkt beim Spielen gar nicht so lang, aber wenn ich es höre, denke ich: „Wow, das zieht sich ganz schön.“ Aber beim Spielen war ich einfach völlig versunken. Live passiert das wieder – ich verliere das Zeitgefühl. Und das ist auch okay. Wie lange schaut man auf eine Landschaft? So lange, wie man möchte.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img decoding="async" loading="lazy" width="788" height="461" src="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2025/11/sohn-interview_3.jpg" alt="" class="wp-image-46841" srcset="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2025/11/sohn-interview_3.jpg 788w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2025/11/sohn-interview_3-700x410.jpg 700w" sizes="(max-width: 788px) 100vw, 788px" /></figure>



<p class="has-white-background-color has-background"><strong>Hast du dir Gedanken gemacht, wie das Publikum auf so ein stilles, instrumentales Album reagiert – vor allem live?<br></strong>Ehrlich gesagt nicht wirklich. Ich habe das Album gemacht, weil ich es mochte – das ist alles. Wenn ich es gut finde, dann ist es gut. Ich glaube, viele meiner Hörer ticken ähnlich. Natürlich – wer mich nur wegen Songs wie „Hard liquor“ kennt, wird mit „Alberta“ vielleicht wenig anfangen können. Das ist okay. Aber wer über „Tremors“ oder „The wheel“ zu mir gefunden hat, wird es verstehen. Es hängt einfach davon ab, woher man kommt.<br><br><strong>In Hamburg wirst du jedenfalls auf ein sehr stilles Publikum treffen – dort sind die Leute beim Konzert immer sehr ruhig.<br></strong><em>(lacht)</em> Dann versuche ich, <em>noch</em> leiser zu sein! Wir spielen „Wer-blinzelt-zuerst?“<br>Vielleicht stelle ich ein Schild auf, auf dem steht „Applaus“ – und drücke am Ende eines Stücks einfach einen Knopf.<br><br><strong>Zum Schluss: Gibt es etwas, das du musikalisch noch nie gemacht hast, aber gerne ausprobieren würdest?<br></strong>Ja, auf jeden Fall. Ich würde gern mal ein komplett gemeinsames Album machen – ein richtiges Kollaborationsprojekt von Anfang bis Ende.<br>Und ich würde gern ein Album schaffen, das <em>fließt</em> – ohne Pausen zwischen den Stücken. Viele meiner Lieblingsplatten tun das, wie „Laughing stock“ von TALK TALK.<br>Es ist verrückt, dass ich so etwas noch nie gemacht habe, obwohl ich diese Art von Alben liebe. Aber es ist technisch gar nicht so einfach, weil man alles am Stück aufnehmen müsste, im selben Raum, mit derselben Energie. Ich würde das gern einmal tun – mich für ein paar Wochen an einen Ort zurückziehen und einfach <em>ein ganzes Album in einem Atemzug aufnehmen.</em><br><br><strong>Das klingt fantastisch. Ich wünsche dir alles Gute für das neue Album – und vielen Dank für das Gespräch.<br></strong>Danke dir. Und ich werde an das stille Publikum denken!</p>



<p class="has-white-background-color has-background"><strong>Hier die bevorstehenden Tourdaten von SOHN:<br></strong><br>30.11.2025 – Bristol, UK – The Lantern, Bristol Beacon<br>01.12.2025 – Manchester, UK – Hallé St Michael’s<br>03.12.2025 – London, UK – St Matthias Church<br>04.12.2025 – London, UK – St Matthias Church<br>06.12.2025 – Paris, France – L’Archipel<br>08.12.2025 – Gent, Belgium – DE CENTRALE<br>09.12.2025 – Köln, Germany – Stadtgarten<br>11.12.2025 – Hamburg, Germany – Christianskirche (Kirchengemeinde Ottensen)</p>
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		<title>A TALE OF GOLDEN KEYS – Dinosaurs Forever!</title>
		<link>https://blueprint-fanzine.de/a-tale-of-golden-keys-dinosaurs-forever/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Emil Drexler]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 26 Oct 2025 11:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Interviews]]></category>
		<category><![CDATA[bp_highlight]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ach ja, es gibt so Bands, wo man sich immer fragt, warum sind die eigentlich nicht erfolgreicher. A TALE OF GOLDEN KEYS (ATOGK) aus Nürnberg sind so eine Band. An der Musik kann es auf keinen Fall liegen. Ihr melancholischer Indie-Rock ist einfach nur wunderschön. Und wird in diesem Jahr stolze 15 Jahre alt. Was [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-white-background-color has-background">Ach ja, es gibt so Bands, wo man sich immer fragt, warum sind die eigentlich nicht erfolgreicher. A TALE OF GOLDEN KEYS (ATOGK) aus Nürnberg sind so eine Band. An der Musik kann es auf keinen Fall liegen. Ihr melancholischer Indie-Rock ist einfach nur wunderschön. Und wird in diesem Jahr stolze 15 Jahre alt. Was natürlich mit einer Jubiläumstour quer durch Deutschland gefeiert werden muss. Und das ist nicht das einzige Jubiläum, sondern auch ihr wohl erfolgreichstes Album &#8222;Everything went down as planned&#8220; feiert Geburtstag &#8211; zehn Jahre hat das gute Ding mit den Dinos auf dem Cover nun schon auf dem Buckel. Das nahmen wir als Anlass, unseren Schreiber Emil mal bei Jonas, Schlagzeuger von ATOGK, vorbei zu schicken, um über die letzten 15 Jahre zu sprechen.<br><br>Außerdem verlosen wir <a href="https://blueprint-fanzine.de/verlosung-gaestelistenplaetze-bei-a-tale-of-golden-keys/">hier</a> 2 Gästelistenplätze für die bevorstehende Tour.</p>



<p class="has-white-background-color has-background"><strong>Hallo Jonas! Gut drei Jahre habt Ihr nun Pause gemacht, die Veröffentlichung Eures letzten richtigen Albums „The only thing that‘s real“ ist sogar schon fünf Jahre her. Warum hat das so lange gedauert?<br></strong><em>Nachdem wir 2022 unsere 2020 wegen Covid ausgefallene Tournee nachgeholt haben, haben wir in der Tat eine nicht geplante Pause eingelegt. Eigentlich wollten wir damals ein neues Album aufnehmen, aber das hat irgendwie nicht geklappt. Aber ganz untätig waren wir nicht, wir haben mit „Manic“, „Something political“ und nun zuletzt mit „Slow motion“ drei neue Songs aufgenommen.<br></em><br><strong>Ist denn jetzt mit einem neuen Album zu rechnen, oder ist das Jubiläum der eigentliche Antrieb für die kommende Tour?<br></strong><em>Tatsächlich ist es so, dass wir einfach wieder Bock hatten, auf die Bühne zu gehen und Musik zu machen. Dass das dann mit dem Jubiläum so gut passte, war natürlich perfekt.</em><br><em><br></em><strong>Lass uns mal zurückschauen. Vor 15 Jahren habt Ihr angefangen, und bereits Euer fünfter Auftritt war beim Rock im Park. Wie kam es denn dazu?<br></strong><em>Wir haben damals in Nürnberg bei einem Bandwettbewerb mitgespielt. Unser allererster Auftritt war das. Wir sind direkt eine Runde weitergekommen und haben dann tatsächlich gewonnen. Als Preis gab es dann einen kleinen Slot beim Rock im Park. Für uns war das damals natürlich mega aufregend und hat uns auch enorm gepusht.<br></em><br><strong>Wie seid Ihr eigentlich zu Eurem Bandnamen gekommen?<br></strong><em>Das ging ganz schnell. Wir brauchten für unseren ersten Gig dringend einen Namen und sind dann auf die Schnelle auf A TALE OF GOLDEN KEYS gekommen. Ein Name, der für eine Band eigentlich viel zu lang ist. Ihn jetzt aber zu ändern, wäre natürlich schwierig.<br></em><br><strong>Was waren Eure Einflüsse damals, als Ihr angefangen habt Musik zu machen?<br></strong><em>Unser Bassist Flo und ich haben viel Punkrock gehört, also Sachen wie BLINK-182 und FALL OUT BOY, was man eher weniger aus unserer Musik raushört. Viel mehr sind es wohl MUSE und COLDPLAY, die musikalisch unseren Sound geprägt haben. Und eine Band, auf die wir uns alle drei einigen können, ist THE NATIONAL.<br></em><br><strong>Wie demokratisch laufen bei Euch Prozesse ab?<br></strong><em>Wir sind wirklich schon lange befreundet, von daher läuft das in der Regel sehr harmonisch und gleichberechtigt ab. Songs werden in der Regel zusammen geschrieben und arrangiert, auch wenn Hannes (Vocals, Gitarre, Piano) schon unser musikalisches Mastermind ist und wir Flo gerne das Lyrische überlassen. Beim Erstellen der Setlist für unsere kommende Tour waren wir uns eigentlich auch sehr schnell einig.<br></em><br><strong>Werdet Ihr dann jeden Abend die gleiche Setlist spielen?<br></strong><em>Das große Gerüst steht, aber wir haben zusätzlich einige Songs geprobt, die wir dann je nach Lust und Laune einstreuen können.<br></em><br><strong>Welches Lied spielst Du am liebsten live?<br></strong><em>Das ist „Whirling“, in echt eigentlich mit der Sängerin ELENA STERI (inzwischen LNA). Auf Tour übernehmen wir ihren Gesangspart.<br></em><br><strong>Apropos Tour. Was kannst Du uns über die Vorband KARL EGALS KOALAS sagen, und was dürfen Eure Besucher*innen erwarten?<br></strong><em>KARL EGALS KOALAS sind Freunde von uns, ihren Sound kann man am besten mit alten TOCOTRONIC-Sachen vergleichen. Wir sind sehr happy, sie auf Tour dabei zu haben – wir fahren auch gemeinsam im Neunsitzer und vertreten uns am Merchstand.<br>Von uns könnt Ihr auf jeden Fall eine gute Mischung aus alten und neuen Songs erwarten. Nachdem wir auf unserer letzten Tour ziemlich viel aufgefahren haben (so sind wir in der Zeit auch kurzzeitig vom Trio zum Quartett gewachsen, um noch mehr Sounds mit einfließen zu lassen), werden wir eine ziemlich reduzierte ATOGK-Version zum Besten geben, einfach wir Drei an Gitarre/Klavier, Bass und Schlagzeug. Wir haben auf jeden Fall voll Bock. Und natürlich gibt es neues Merch, schicke „Dinosaurs Forever“-Shirts.<br></em><br><strong>Mit AKNE KID JOE, STREICHELT oder auch SCHUBSEN gibt es in Nürnberg Bands, die bestimmt einige Leser*innen bereits kennen. Hast Du darüber hinaus vielleicht noch einen Nürnberger Geheimtipp für uns?<br></strong><em>Definitiv, und zwar gleich zwei: ALDI ALIENS und MERCHBOI. Und sehr gut sind auch DAS FORMAT aus Augsburg.<br></em><br><strong>Vielen Dank, Jonas, für die Zeit, die Du dir genommen hast, und auch nochmal herzlichen Glückwunsch Euch Dreien zum Jubiläum!</strong></p>
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		<title>JON SPENCER &#8211; Wie viel Wut braucht ein guter Song?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jens Gerdes]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 10 Jun 2025 15:49:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Interviews]]></category>
		<category><![CDATA[bp_highlight]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wenn JON SPENCER etwas nie war, dann bequem. Seit den wilden Tagen von PUSSY GALORE hat er den Rock ’n’ Roll durch den Schredder gejagt, Blues dekonstruiert, und Trash kultiviert. Mit seiner neuen Single „Come on“ meldet sich Spencer nun solo zurück – rau, direkt und mit einer deutlichen politischen Note in Richtung Trump. Im [&#8230;]</p>
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<p class="has-white-background-color has-background">Wenn JON SPENCER etwas nie war, dann bequem. Seit den wilden Tagen von PUSSY GALORE hat er den Rock ’n’ Roll durch den Schredder gejagt, Blues dekonstruiert, und Trash kultiviert. Mit seiner neuen Single „Come on“ meldet sich Spencer nun solo zurück – rau, direkt und mit einer deutlichen politischen Note in Richtung Trump. Im kurzen Mail-Interview mit blueprint spricht er über die Entstehung des Songs, seinen Blick auf die Gegenwart, alte Bandprojekte und die bevorstehende Europatour. Dabei wird deutlich: in den Ruhestand können sich gerne andere begeben &#8211; JON SPENCER is still on fire.<br><br><strong>Jon, deine neue Single heißt „Come On“ – zwei Worte, aber es klingt wie ein Schlag in die Magengrube. Was genau forderst du da ein?</strong><br><em>Politisches Engagement. Soziale Verantwortung. Empathie. Mitgefühl. Ein Aufruf an meine amerikanischen Mitbürger, der aktuellen Regierung und ihrer faschistischen Machtübernahme Widerstand zu leisten.</em><br><br><strong>Wenn man deine lange musikalische Vergangenheit betrachtet: Pussy Galore, Boss Hog, Blues Explosion, Heavy Trash … Ist „Come on“ eine Fortsetzung oder ein Abschied?</strong><br><em>Eine Fortsetzung. Die Elemente des Garage-Punks, R’n’B, Soul und Hip-Hop der 60er sind in meiner gesamten Karriere präsent.</em><br><br><strong>Du klingst wütender denn je. Was genau macht dich so wütend?</strong><br><em>Die derzeitige US-Regierung und ihre faschistische Machtübernahme.<br><br></em><strong>Das Video zu „Come on“ ist wie ein surrealer Albtraum – brennende Schilder, tanzende Skelette, Talentshow-Horror. Was war die Idee dahinter?</strong><br><em>Es ist ein Appell an meine amerikanischen Mitbürger, aufzustehen, mitzumachen und sich zu engagieren.</em><br><br><strong>Bald geht’s auf Europatour. Was erwartet uns live? Und wirst du irgendwann auch mit deinen anderen Bands/Nebenprojekten zurückkommen?</strong><br><em>Die Leute können sich auf eine energiegeladene Rock’n’Roll-Show freuen. Ich habe derzeit aber keine Pläne, später mit anderen Bands/Nebenprojekten zurückzukehren.</em><br><br><strong>Du hast deinen Sound zigmal neu erfunden. Ist’s nicht manchmal verlockend, einfach die „Hits“ zu spielen?</strong><br><em>Nicht wirklich, ich würde sagen, dass ich mich weiterentwickle. Abgesehen davon können die Leute erwarten, bei den kommenden Shows viele meiner früheren „Hits“ zu hören.</em><br><br><strong>In „Talk about the blues“ heißt es: „I don&#8217;t play no blues. I play rock &#8217;n&#8216; roll.“ Was ist der Unterschied – und wer hat’s verbockt?</strong><br><em>Wer sagt denn, dass da etwas verbockt wurde?</em><br><br><strong>Glaubst du, dass Rock’n’Roll heute noch gefährlich ist?</strong><br><em>Manchmal.</em><br><br><strong>Du warst Underground, bevor es Spotify-Playlists gab. Wie blickst du auf das heutige DIY-Musikmachen – mehr oder weniger Freiheiten als früher?</strong><br><em>Ich mag DIY. Ich bin kein großer Fan von Streaming-Diensten, die Künstler nicht bezahlen.</em><br><br><strong>Was ist das Blödeste, das dir je auf Tour passiert ist?</strong><br><em>Zu viele Beispiele, um sie hier aufzulisten.</em><br><br><strong>Wird man eigentlich entspannter oder radikaler, je länger man das alles macht?<br></strong><em>Irgendwie beides.</em><br><br><strong>Zum Schluss: Wenn du die US-Nationalhymne durch einen deiner Songs ersetzen dürftest – welcher wäre es?</strong><br><em>Würde ich nicht machen.</em></p>



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<p class="responsive-video-wrap clr"><iframe loading="lazy" title="Jon Spencer  - Come On!" width="1200" height="675" src="https://www.youtube.com/embed/iVjX77W3tgc?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe></p>
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<p class="has-white-background-color has-background"><strong>Hier die aktuellen Tourdaten:</strong><br>10.06.25 Schorndorf, Manufaktur<br>11.06.25 Mainz, Schon Schön<br>12.06.25 Köln, Bumann &amp; Sohn<br>13.06.25 Münster, Gleis 22<br>14.06.25 Dresden, Beatpol<br>15.06.25 Berlin, Lido (+ ZOON PHONANTA)<br>18.06.25 Hamburg, Molotow (+ ZOON PHONANTA)<br>19.06.25 Hannover, Café Glocksee</p>
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