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	<title>Interviews Archive - .:blueprint fanzine:.</title>
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	<description>online fanzine seit 2003</description>
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		<title>ARRESTED DENIAL &#8211; &#8222;Offbeat heißt nicht gleich Ska Punk&#8220;</title>
		<link>https://blueprint-fanzine.de/arrested-denial-offbeat-heisst-nicht-gleich-ska-punk/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Bernd Cramer]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 20 Jan 2026 20:14:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Interviews]]></category>
		<category><![CDATA[bp_highlight]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Eines schon mal vorweg: Ich mag ARRESTED DENIAL! Und zwar nicht nur ihre Musik, sondern auch die Menschen, die dahinter stecken. Wir laufen uns immer mal wieder auf Konzerten oder Partys über den Weg, und mit Gitarrist Sascha war ich auch schon ein paar Mal als Zuschauer in den Gefilden des Hamburger Amateurfußballs unterwegs. Vielleicht [&#8230;]</p>
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<p class="has-white-background-color has-background">Eines schon mal vorweg: Ich mag ARRESTED DENIAL! Und zwar nicht nur ihre Musik, sondern auch die Menschen, die dahinter stecken. Wir laufen uns immer mal wieder auf Konzerten oder Partys über den Weg, und mit Gitarrist Sascha war ich auch schon ein paar Mal als Zuschauer in den Gefilden des Hamburger Amateurfußballs unterwegs. Vielleicht ist es gerade dieser persönlichen Nähe zur Band geschuldet, dass ich unglaublich gespannt auf ihr neues Album war, welches im Dezember (nach stolzen acht Jahren Anlaufzeit!) endlich das Licht der Welt erblickt hat. Doch das Warten hat sich definitiv gelohnt, und &#8222;Nirgendwo angekommen&#8220; zählt für mich zu einem der besten deutschsprachigen Streetpunk-Alben des abgelaufenen Jahres. Da mir beim Hören dennoch ein paar Fragen in den Sinn kamen, drängte sich ein kleines Interview fürs Blueprint geradezu auf. Weil sowohl bei mir als auch bei der Band die zeitlichen Kapazitäten derzeit etwas knapp bemessen sind, fand das Interview per Mail statt und wurde von Drummer Daniel und Frontmann Valentin beantwortet. Los geht´s!</p>



<p class="has-white-background-color has-background"><strong>Zunächst erstmal herzlichen Glückwunsch zu eurem neuen Album! Wenn ich richtig informiert bin, war ursprünglich geplant, &#8222;Nirgendwo angekommen&#8220; bereits vor einem Jahr zu veröffentlichen. Was waren die Gründe für die Verzögerung?</strong><br><strong>Daniel:</strong> Puuuuh, da kam einiges zusammen. Private Dinge vor allem, aber auch organisatorisch mussten wir teilweise in letzter Sekunde noch mal umplanen. Immer wenn wir dachten, wir sind jetzt auf Kurs, kam wieder irgendeine neue Katastrophe um die Ecke. Das war teilweise echt heftig stressig, und ich hatte manchmal wirklich Bedenken, ob wir das Album überhaupt an den Start kriegen. Umso glücklicher sind wir, dass es<br>jetzt doch noch geklappt hat und vor allem auch so gut ankommt bei den Leuten.</p>



<p class="has-white-background-color has-background"><strong>Eure vorherigen Veröffentlichungen sind ja alle bei Mad Butcher Records erschienen, in dessen Labelportfolio ihr mit eurem antifaschistischem Streetpunk meiner Meinung nach auch perfekt reingepasst habt. Das neue Werk erscheint hingegen beim musikalisch etwas breiter aufgestellten Label Bakraufarfita Records. Was gab den Ausschlag zu diesem Wechsel?</strong><br><strong>Daniel: </strong>Mad Butcher hat wirklich super gepasst die ganzen letzten Jahre. Wir haben auch ein richtig enges Verhältnis zu Mike und sind ihm sehr dankbar für seinen Support. Er steht auch jetzt immer noch voll hinter uns, obwohl wir woanders veröffentlichen. Aber sein Label ist halt schon recht spezialisiert auf eine gewisse Szene. Wir wollten da ein bisschen raus und schauen, wie unsere Musik funktioniert, wenn wir etwas breiter aufgestellt sind. Dafür passt Bakraufarfita perfekt. Die sind auch total im Punkrock verwurzelt, aber haben eben auch so Bands wie DIE TOTEN CRACKHUREN IM KOFFERRAUM oder 100 KILO HERZ und decken damit ja schon eine größere Bandbreite ab. Bönx von Bakraufarfita wollte eigentlich auch schon früher was mit uns machen, hat aber leider grob fünf Jahre gebraucht, um unsere erste Anfragemail zu beantworten. Damals war er also bisschen spät dran, diesmal hat alles perfekt gepasst. Da ließ dann eher unser Timing bei der Veröffentlichung zu wünschen übrig…</p>



<p class="has-white-background-color has-background"><strong>Eine weitere Veränderung ist, dass ihr mit Pip jetzt einen festen Trompeter in euren Reihen habt. Welchen Einfluss hat diese Erweiterung auf euer Songwriting? Auch unter dem Aspekt, dass ihr euer Merch-Sortiment um ein &#8222;Offbeat Antifa&#8220;-Shirt erweitert habt, drängt sich ja geradezu der Verdacht auf, dass ihr heimlich zur Ska-Punk Band mutiert&#8230;</strong><br><strong>Daniel:</strong> Moooooment. Offbeat heißt nicht gleich Ska-Punk. Valentin ist sehr stark von den ganz alten Sachen aus dem Reggae-Bereich beeinflusst, die 60er sind da so sein Jahrzehnt. Und das fließt auch in sein Songwriting ein, indem es neben den Punksongs immer mal wieder relativ klassische Offbeat-Nummern gibt, wie eben “Offbeat Antifa” oder auch den Titeltrack des Albums. Da ist dann meistens gar nicht mehr soooo viel Punk drin. Aber klar<br>schauen wir jetzt, dass etwas mehr Songs mit Trompete aufs Album kommen als früher. Das erweitert ja einfach auch die Möglichkeiten beim Songwriting, bei dem Valentin eh sehr stark mit Layern und mehrstimmigen Arrangements arbeitet. Da muss dann aber kein Ska-Punk bei rauskommen. Live sind inzwischen fast die Hälfte der Stücke mit Trompete, das ist schon ein großer Unterschied zu früher. Macht uns und den Leuten aber halt auch tierisch Spaß mit Pip. Die andere Hälfte der Konzerte sitzt er dann immer biertrinkend an der Theke und<br>schaut seiner eigenen Band zu oder tanzt irgendwo im Publikum rum.</p>



<p class="has-white-background-color has-background"><strong>Mit Steff von ALARMSIGNAL und Tex von SLIME haben es auch zwei prominente Gäste auf das Album geschafft. Wie kam die Zusammenarbeit mit den beiden zustande? </strong><br><strong>Daniel:</strong> Steff und Valentin kannten sich schon eine ganze Weile. Valentin wusste aber nie, dass Steff bei ALARMSIGNAL ist. Die hatten sich hauptsächlich über Fernreisen ausgetauscht und beim ersten gemeinsamen Konzert war Valentin ziemlich baff, als Steff da mit ALARMSIGNAL aufschlug. Steff wiederum ist schon lange heimlicher Fan von uns. Von daher war das eine relativ einfache Entscheidung und hat super funktioniert. Steff ist wirklich ein super netter Kerl und war auch beim Videodreh voll dabei. Auf Tex sind wir hauptsächlich wegen seiner Solosachen gekommen. Wir waren mal fast alle zusammen auf einem Konzert von ihm im Monkeys. Das hat uns echt umgehauen. Was für ein Charisma und was für eine krasse Stimme! Wir haben ihn dann einfach auf doof angeschrieben und hatten Glück, dass die Anfrage nicht untergegangen ist. Tex ist nicht so der Fan von Social-Media-Kontakten. Aber er fand den Song super und hat dann sogar noch seine eigene Strophe dazu geschrieben, die einen ganz anderen Flow hat als das Original von Valentin. Diese etwas andere Herangehensweise und vor allem die großartige Stimme von Tex geben dem Song noch mal eine andere Tiefe. Wir sind sehr glücklich mit dem Ergebnis.</p>



<p class="has-white-background-color has-background"><strong>In den Stück &#8222;Hamburg&#8220; beschreibt ihr eine Art Hassliebe zu eurer Heimatstadt. Ich als gebürtiger Hamburger würde mich zwar auch nicht gerade als Lokalpatrioten bezeichnen, allerdings weiß ich die Stadt und ihre vergleichsweise eher liberal bis progressiv geprägte politische Grundstimmung mittlerweile durchaus zu schätzen. Was genau läuft eurer Ansicht nach hier an der Elbe dennoch verkehrt? </strong><br><strong>Valentin:</strong> Diese progressive Grundstimmung kriegt aber doch immer wieder ziemlich Risse und muss permanent verteidigt und neu erkämpft werden. Und sie wird auch weniger durch die tatsächlichen Entscheidungsträger im Senat geprägt, sondern in erster Linie durch alternativ ausgerichtete Menschen, die das in Eigenregie in den verschiedensten Bereichen am Leben erhalten. Hamburger finden ihre Stadt ja in den meisten Fällen unglaublich toll und feiern nach außen hin dieses „Tor zur Welt&#8220;-Ding und ähnliches. Das machen sie aber eben meist auch nur bis zu der Buchsbaum-Hecke, die die Grenze ihres hart ererbten Vorgartens sichert. Da ist dann nämlich Schluss mit lustig. Man schaue sich dazu nur einmal diese unsäglichen Diskussionen und Bürgerinitiativen zu Geflüchteten-Unterkünften in so einigen nobleren Vororten an. Ich will hier jetzt aber auch nicht lauter Fallbeispiele aufzählen, was in Hamburg so falsch läuft. Natürlich sind hier bestimmte Meinungsbilder weniger etabliert als in einigen anderen Bundesländern, und dafür bin ich sehr dankbar. Es ist aber ein Trugschluss, dass die gesamtdeutsche politische Entwicklung vor den Toren der Stadt Halt macht. Dass das alles auf wackeligen Beinen steht, hat ja auch die Schill-Ära deutlich gezeigt.</p>



<p class="has-white-background-color has-background"><strong>Für ein paar Irritationen sorgten bei mir die beiden inhaltlich komplett unterschiedlichen Stücke &#8222;Nirgendwo angekommen&#8220; sowie &#8222;Nirgendwo. Angekommen.&#8220;, deren Titel sich lediglich durch das Setzen der beiden Punkte unterscheiden. Erzählt doch mal, welche Idee dahinter steckt. </strong><br><strong>Valentin:</strong> Die Punkte haben ja eine nicht ganz unerhebliche Auswirkung auf die inhaltliche Bedeutung der beiden Songtitel. In dem Titelsong des Albums „Nirgendwo angekommen&#8220; geht es um Selbstreflexion und eine Bestandsaufnahme, wo ich im Leben eigentlich gerade stehe, ob ich irgendeinen Plan habe und ob das bis hier und bis heute alles wirklich richtig war. Und in dem letzten Song auf dem Album „Nirgendwo. Angekommen.&#8220; geht es darum, dass ich mich immer dann „angekommen&#8220; fühle, wenn ich irgendwo sehr weit weg und<br>gefühlt am Ende der Welt bin. Ich wollte schon lange mal einen Song schreiben, der diese Stimmung etwas einfängt, weil mich solche Erfahrungen schon immer stark und nachhaltig geprägt haben. Da beide Texte meiner Gedankenwelt entspringen und damit zwangsweise auch inhaltlich zusammenhängen, könnte ich hier jetzt natürlich noch ziemlich viel dazu erzählen. Ich bin aber kein großer Fan davon, Songinhalte in größerem Maße zu sezieren. Ein Song soll immer eine gewisse Stimmung erzeugen. Und ein ganzes Album soll das auch. Daher ist auch die Positionierung beider Songs auf dem Album kein Zufall. Wenn man sich auf die beiden Texte einlässt, dann sprechen sie, finde ich, eine klare Sprache. Es sind ja keine völlig verklausulierten TOCOTRONIC-Texte.</p>



<p class="has-white-background-color has-background"><strong>Gebt uns doch bitte zum Abschluss noch einen kurzen Ausblick auf das neue Jahr. Was steht als nächstes im Hause ARRESTED DENIAL an, und welche Highlights erwarten euch und uns 2026? </strong><br><strong>Daniel:</strong> Wir wollen 2026 wieder richtig viel live spielen und freuen uns wahnsinnig darauf. Konzerte sind das, was uns allen am meisten gibt. Unsere ausverkaufte Releaseparty im Goldenen Salon vom Hafenklang mit KITTY COASTER und FLICK KNIVES war schon mal ein unglaubliches Fest für uns. Die FLICK KNIVES sehen wir auch bei ihrer eigenen Releaseparty am 6.2. in Köln wieder. Ein paar Festivals sind schon bestätigt, unter anderem das Beer Now Open in Bernau zum 30. Geburtstag von OXO 86. Eine Support-Tour ist auch schon relativ fix. Da dürfen wir aber noch nichts verraten. Unser Ziel ist es, dieses und nächstes Jahr jeweils auf 30-50 Konzerte zu kommen. Für 2026 sind wir schon auf einem guten Kurs. Ach, eine Sache noch: Wir suchen gerade wieder einen neuen Menschen am Bass, sehr gerne FLINTA*. Gerade eine weibliche Stimme wäre für unsere Songs noch mal eine richtig coole Erweiterung. Unser aktueller Bassist Janosch schafft das Konzertpensum leider aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr. Also meldet euch!</p>
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		<title>SOHN &#8211; Zwischen Nacht und Morgen: über die Kunst des Loslassens</title>
		<link>https://blueprint-fanzine.de/sohn-zwischen-nacht-und-morgen-ueber-die-kunst-des-loslassens/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jens Gerdes]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 02 Nov 2025 10:42:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Interviews]]></category>
		<category><![CDATA[bp_highlight]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>SOHN hat sich neu erfunden – indem er losgelassen hat. Auf „Albadas“ streift der britische Musiker alles ab, was Pop normalerweise ausmacht: keine Beats, keine Hooks, keine Stimme. Stattdessen öffnet er weit atmende Synthflächen und schwebende Klangräume, in denen Zeit fast stillzustehen scheint. Im Gespräch erzählt SOHN, wie das Leben als Vater und die Sonne [&#8230;]</p>
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<p class="has-white-background-color has-background">SOHN hat sich neu erfunden – indem er losgelassen hat. Auf <a href="https://blueprint-fanzine.de/sohn-albadas/">„Albadas“</a> streift der britische Musiker alles ab, was Pop normalerweise ausmacht: keine Beats, keine Hooks, keine Stimme. Stattdessen öffnet er weit atmende Synthflächen und schwebende Klangräume, in denen Zeit fast stillzustehen scheint. Im Gespräch erzählt SOHN, wie das Leben als Vater und die Sonne Spaniens seinen Sound entschleunigt haben – und warum Verletzlichkeit für ihn heute wichtiger ist als Perfektion. Mit viel Ruhe, Witz und Nachdenklichkeit blickt er auf seine Anfänge zurück und erklärt, warum er seine alten Songs am liebsten noch einmal aufnehmen würde – aber ohne jede Eile.</p>



<p class="has-white-background-color has-background"><strong>Wie geht’s dir? Und die wichtigste Frage zuerst – möchtest du das Interview auf Englisch, Österreichisch oder Spanisch führen?<br></strong><em>(lacht)</em> Haha, es geht mir gut! Ich komme gerade von einer kleinen Pressereise und habe gemerkt, dass ich Deutsch recht gut verstehe – aber Spanisch wäre furchtbar! Englisch ist super.<br><br><strong>Perfekt, dann machen wir’s auf Englisch. Zuerst zu deinem neuen Album: Du hast gerade „Albadas“ veröffentlicht – ein Album ganz ohne Gesang. Wie fühlt es sich an, etwas so Wortloses in die Welt zu entlassen?</strong><br>Ehrlich gesagt ist es eine echte Erleichterung. Ich habe schon lange mit dem Gedanken gespielt, so etwas zu machen. Es fühlt sich ganz anders an, ein Album zu veröffentlichen, auf dem meine Stimme nicht zu hören ist. Wenn man singt, sind es ja nicht nur die Stimme, sondern auch die eigenen Worte. Auf diesem Album wirkt es für mich so, als würde ich meine Gefühle in einer viel offeneren, weiteren Form ausdrücken.<br><br><strong>Ich habe gelesen, dass auch das Weltgeschehen deine Entscheidung beeinflusst hat, auf Gesang zu verzichten. War es aber auch ein Weg, die Hörer dazu zu bringen, sich stärker auf Deine Musik zu konzentrieren?</strong><br>Eigentlich entstand das, während ich versuchte, ein normales Album zu produzieren. Jedes Mal, wenn ich anfing, Texte zu schreiben, hatte ich das Gefühl: Niemand muss das gerade hören. Alles, was ich zu den Dingen in der Welt sagen wollte, klang zu banal oder unsensibel. Also habe ich mir Pausen gegönnt – einfach Instrumente gespielt und aufgenommen, nicht mit dem Ziel, ein Album zu machen, sondern um mich von diesem Druck zu befreien. Je mehr ich das tat, desto öfter fand ich Stücke, die mir wirklich gefielen. Und irgendwann dachte ich: <em>Vielleicht ist das das Album.</em><br><br><strong>Es hat sich also eher natürlich entwickelt?<br></strong>Genau. Ich habe es nicht geplant. Als ich schließlich beschloss, daraus ein Album zu machen, habe ich meine Festplatte durchgesehen – und das Album war im Grunde schon fertig.<br><br><strong>Und du hast es auf deinem eigenen Label veröffentlicht. Wäre es auch möglich gewesen, es über dein früheres Label 4AD herauszubringen?<br></strong>Mein Vertrag mit 4AD lief nach drei Alben aus. Und dieses Album wäre kein guter Start für einen neuen Deal gewesen – zumindest nicht kommerziell. Künstlerisch ist es ein tolles Statement, aber sicher nicht das profitabelste. Ich wollte nicht diesen Druck, es finanziell rechtfertigen zu müssen. Das Timing war perfekt, um es einfach selbst zu veröffentlichen – frei, ohne zu viel nachzudenken.<br><br><strong>Mir gefällt diese Entscheidung sehr – sie wirkt so frei, ohne Vorgaben.<br></strong>Genau. Mit einem Label folgt man oft ihren Marketingideen und gibt Geld aus, das man noch gar nicht verdient hat. Sie sagen dann: „Lass uns ein Musikvideo für 10.000 Dollar machen!“ Das würde ich auf meinem eigenen Label nie tun. Dieses Projekt gab mir die Möglichkeit, Neues auszuprobieren – mit wenig Risiko, ohne Druck – um daraus für das nächste Album zu lernen.<br><br><strong>Ein Freund von mir meinte, er liebe deine Stimme und vermisse sie auf diesem Album.<br></strong><em>(lacht) </em>Das ist gut so! Normalerweise würde mich so ein Kommentar verunsichern, aber diesmal gar nicht. Das bedeutet, wenn meine Stimme wiederkehrt, werden sich die Leute <em>wirklich</em> darüber freuen.<br><br><strong>Und ich glaube, deine Hörer wissen ohnehin, dass du dich nie auf einem Punkt ausruhst – bei dir scheint immer alles möglich.<br></strong>Genau darum ging es mir. Ich habe mich selbst immer als so einen Künstler gesehen, aber meine bisherigen Veröffentlichungen haben das nie gezeigt. Dieses Album beweist es endlich. Ich will ein mutiger Künstler sein – also muss ich Entscheidungen treffen, die mein Bauchgefühl mir vorgibt.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img decoding="async" width="848" height="440" src="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2025/11/Sohn-interview.jpg" alt="" class="wp-image-46839" srcset="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2025/11/Sohn-interview.jpg 848w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2025/11/Sohn-interview-700x363.jpg 700w" sizes="(max-width: 848px) 100vw, 848px" /></figure>



<p class="has-white-background-color has-background"><strong>Und du wirst das neue Material auch live spielen?<br></strong>Ja. Einige instrumentale Shows – aber ich werde auch bei ein paar Songs singen. Ich habe schon ein Konzert in Berlin gespielt, und es hat sich großartig angefühlt.<br><br><strong>Ich habe dich <a href="https://blueprint-fanzine.de/maifeld-derby-2017-2/">2017 beim Maifeld Derby</a> gesehen. Und jetzt spielst du in einer Kirche in Hamburg, meiner Heimatstadt – leider bin ich da im Urlaub. Aber das ist ja eine ganz andere Atmosphäre, oder?<br></strong>Absolut. Auf dieser Tour gibt es bei jedem Konzert ein echtes Klavier. Das verändert alles. Ich war anfangs unsicher, ob das funktioniert – ich dachte, es wird vielleicht nur ein 30-minütiges Event. Aber nach dem Berlin-Konzert merkte ich, dass es gut eine Stunde tragen kann, sehr dynamisch sogar.<br><br><strong>Du arbeitest oft früh am Morgen, stimmt das?<br></strong>Ja, bei diesem Album schon. Normalerweise bin ich eher ein Nachtmensch, aber auf Reisen hatte ich Jetlag und wachte um drei oder vier Uhr morgens auf. Bevor ich Songwriting-Sessions hatte, spielte ich einfach Instrumente, um mich zu zentrieren – und daraus sind einige Stücke entstanden. Als ich zurück war, habe ich diese Routine beibehalten und bin aufgestanden, bevor die Kinder wach wurden.<br><br><strong>Es scheint, dass dich das Frühaufstehen auch in der Stimmung und im Klang stark beeinflusst hat. War es dir wichtig, so früh zu arbeiten?<br></strong>Ja, ich denke schon. Ich habe immer gemerkt, dass meine Umgebung und die Zeit, in der ich arbeite, meinen kreativen Prozess stark prägen. Der Ort, an dem ich Musik mache, färbt immer auf die Musik ab – also ist es interessant, dass sogar die Tageszeit das tut.<br><br><strong>„Albadas“ bedeutet „Dämmerung“ oder „Zwielicht“. Hat dieser Zwischenzustand zwischen Nacht und Tag für dich eine besondere Bedeutung?<br></strong>Ja, das war tatsächlich nicht nur, weil ich manche Stücke morgens aufgenommen habe. Es war eher ein musikalischer Prozess, der mich zu diesem Titel geführt hat. Alles auf diesem Album ist improvisiert. Was man hört, ist im Grunde genau das, was ich in diesem Moment gespielt habe – bis auf ein Stück, bei dem ich ein zweites Klavier überlagert habe.<br>Es gibt kein Mischen, kein Schneiden – fast alles ist in Stereo aufgenommen. Manchmal mit zwei Synths, manchmal mit einem Sequencer. Ich wusste nie, was ich spielen würde – ich habe einfach auf Aufnahme gedrückt und angefangen.<br><br><strong>Also war das ganz neu für dich?<br></strong>Komplett neu, ja. Klar, auch bei Songs mit Gesang arbeite ich oft spontan – aber hier war es ganz anders. Normalerweise entwickle ich Ideen, wiederhole Dinge, forme sie. Diesmal war es: Einschalten, spielen – und das war’s. Keine Wiederholung, kein zweiter Take. Einfach das, was in diesem Moment passiert.<br><br><strong>Das klingt fast wie eine analoge Aufnahme mit einer Band.<br></strong>Genau – so richtig „analog“ im Gefühl, ja. Und das Interessante am Titel „Albadas“ ist, dass ich meist nachts begann – und die Dämmerung sich während des Spiels ergab. Ich wusste ja nie, was passieren würde.<br>Zum Beispiel das Stück „<em>Ascent“</em>: Ich hatte einen Basssound gefunden, spielte ein Arpeggio dazu, und es klang sehr dunkel, fast bedrohlich. Aber während das Stück fortschritt, entwickelte es sich in etwas Erhabenes.<br>Am Ende fühlt es sich an, als würde man in den Himmel aufsteigen. Stell dir vor, das Stück beginnt in Dunkelheit – und endet im Sonnenlicht. Ob das wirklich so war, weiß ich nicht – aber musikalisch hat es sich so angefühlt.<br><br><strong>Ja, das hört man – düster und doch erhebend.<br></strong>Genau. Es entwickelt sich einfach organisch, weil ich intuitiv entscheide, was als Nächstes passiert. Jedes Stück auf dem Album entstand so.</p>



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<p class="responsive-video-wrap clr"><iframe loading="lazy" title="SOHN - Let Go / Ascent" width="1200" height="675" src="https://www.youtube.com/embed/TWAUtKuD7Js?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe></p>
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<p class="has-white-background-color has-background"><strong>Lustigerweise habe ich dein Album gehört, während ich einen Artikel über Grönland las – und es passte unglaublich gut zusammen.<br></strong><em>(lacht) </em>Vielleicht sollte ich die Platte auch in Grönland veröffentlichen?<br><strong>Haha, das wäre ein Volltreffer!</strong><br><br><strong>Wenn du heute dein erstes Album „Tremors“ hörst – wie blickst du darauf?<br></strong>Es ist interessant – ich mag es immer noch, was bei mir selten vorkommt. Ich bin wirklich stolz auf die Songs. Aber manchmal wünsche ich mir, ich hätte etwas von dem heutigen Gefühl hineinbringen können – mehr Geduld, mehr Raum. Ich denke oft, das Album ist fast <em>zu voll</em>. Ich würde heute vielleicht vier Songs streichen und stattdessen Instrumentalstücke einfügen.<br>Dann hätten die Songs, die bleiben, mehr Wirkung. Vielleicht mache ich das eines Tages – eine Neuauflage mit denselben Songs, aber dazwischen instrumentale Momente. Das wäre spannend.<br><br><strong>Du spielst ja auch Stücke von „Tremors“ in deinem aktuellen Liveset.</strong><br>Genau – und das ist cool, weil ich sie nun mit mehr Ruhe performe. Das verändert meinen Blick auf das Album komplett. Ich denke, das wird auch meine zukünftige Musik beeinflussen.<br><br><strong>Es fällt auf, dass du diesmal nicht nur auf Gesang, sondern auch auf Beats verzichtest und den Bass ziemlich zurückdrehst.<br></strong><em>(lacht)</em> Ja, das war lustig – als ich das Freunden erzählt habe, sagten sie: „Also keine Stimme?“ Ich sagte: „Nein.“ Und sie: „Keine Beats?“ – „Nein.“ – Schweigen…<br>Ich hatte einfach kein Gefühl für Rhythmus oder Schlagzeug in dieser Musik. Alles mit Beats fühlte sich zu formelhaft an. Also habe ich es weggelassen.<br><br><strong>Zwischen deinen Alben gibt es ja große stilistische Sprünge. Gibt es trotzdem etwas, das sie verbindet?<br></strong>Ja, das beschäftigt mich tatsächlich oft. Als Künstler fragt man sich ständig: <em>Was macht mich eigentlich aus?</em> Gibt es ein Element, das immer durchscheinen sollte, damit die Hörer mich wiedererkennen?<br>Für mich ist die Antwort: Es sind meine Entscheidungen. Ich hätte früher gesagt: meine Stimme – aber hier gilt das ja nicht. Trotzdem glaube ich, dass man „Tremors“ und „Alberta“ hört und merkt: Das ist derselbe Mensch.<br>Selbst wenn „Trust“ vielleicht ganz anders klingt – die Grundhaltung, die ästhetischen Instinkte, bleiben. Letztlich ist unser Geschmack das, was uns einzigartig macht.<br><br><strong>In den frühen Jahren wirkte SOHN eher wie eine Figur, ein Konzept – heute scheint alles offener und persönlicher.<br></strong>Ja, das stimmt. Am Anfang war SOHN fast wie ein Charakter, den ich erschaffen habe. Ich war damals ein sehr unruhiger, impulsiver Mensch – und dieser Charakter half mir, ruhiger zu werden, klarer Entscheidungen zu treffen, mich zu distanzieren.<br>Das war wie bei einem Gespräch, in dem man sich bewusst drei Sekunden Zeit nimmt, bevor man antwortet – um überlegt zu handeln statt instinktiv.<br>Mit der Zeit merkte ich, dass diese Figur ein Teil von mir wurde. Ich habe sie sozusagen verinnerlicht. Bei „Rennen“ oder „Trust“ war sie schon längst in meinem Blut.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img decoding="async" loading="lazy" width="881" height="461" src="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2025/11/sohn-interview_2.jpg" alt="" class="wp-image-46843" srcset="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2025/11/sohn-interview_2.jpg 881w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2025/11/sohn-interview_2-700x366.jpg 700w" sizes="(max-width: 881px) 100vw, 881px" /></figure>



<p class="has-white-background-color has-background"><strong>Also lebt dieser Charakter jetzt in dir weiter?<br></strong>Genau. Er war wohl schon immer Teil von mir – ich musste ihn nur finden. Heute bin ich ruhiger, sicherer, aber auch verletzlicher. Und das sehe ich als Stärke. Verletzlichkeit ist eine Superkraft. Sie schafft Verbindung. Wenn man anderen durch seine Offenheit das Gefühl gibt, gesehen zu werden – das ist das Schönste, was man geben kann.<br>Ich bin nicht stolz im klassischen Sinne auf meine Musik – sie ist nur ein Mittel. Aber wenn ich am Ende meines Lebens sagen kann, dass ich Verletzlichkeit, Echtheit und Liebe gegeben habe – dann ist es das, was zählt.<br><br><strong>Du hast in deinem Leben schon an vielen Orten gelebt – in Los Angeles, London und jetzt in Garraf, Spanien, umgeben von Meer, Bergen und Licht. Wie beeinflusst diese Umgebung deinen kreativen Prozess?<br></strong>Ja, das Leben hier verlangsamt vieles – vor allem das Arbeiten. Meine Kinder sind inzwischen etwas älter, aber es ist trotzdem schwierig, sich wirklich auf Kreativität zu konzentrieren. Das ist einfach so.<br>Als Künstler merkst du irgendwann, dass deine Zeitfenster für konzentriertes Arbeiten immer kleiner werden. Vielleicht würde ich, wenn ich an einem kalten Ort leben würde, öfter ins warme Studio gehen und mehr Musik machen. Aber hier ist es so schön und sonnig, dass es schwerfällt zu sagen: „Okay, ich gehe jetzt in den dunklen Raum und arbeite.“<br>Darum arbeite ich lieber nachts – da hat man das Gefühl, man verpasst nichts.<br><br><strong>Es sind also auch die Menschen um Dich herum, die auf Dein Schaffen Einfluss nehmen.<br></strong>Ich habe drei Kinder, drei Jungs – und das verändert alles. Der mentale Raum, den das einnimmt, darauf kann dich nichts vorbereiten. Als Künstler bist du ja automatisch ein bisschen Narzisst – du glaubst, dass das, was in deinem Kopf ist, wichtig genug ist, um es mit der Welt zu teilen. Und plötzlich hast du Kinder, und du fragst dich: <em>Muss das wirklich jemand hören, was ich zu sagen habe?</em><br>Das ist schwer zu überwinden. Und es gibt viele Momente im Alltag, in denen du gar nicht sensibel oder empfänglich für Gefühle sein kannst, weil du einfach funktionieren musst. Auch das verändert, wie du kreativ bist.<br><br><strong>Dein neues Album wirkt deutlich stiller als frühere Werke. Wenn du Musik ohne Worte machst – wie ersetzt du das Bedürfnis nach Sprache?<br></strong>Die größte Erkenntnis für mich war das Thema <em>Zeit</em>. Ich bin von Natur aus ein ziemlich ungeduldiger Musiker – immer in Bewegung, immer auf dem Sprung.<br>Bei diesem Album musste ich mir ständig sagen: <em>Atme! Entspann dich! Du musst nicht gleich zum nächsten Teil springen.</em> Instrumentalmusik erlaubt das. Sie geht nicht von A nach B in Eile. Das war eine echte Übung im Loslassen.<br>Bei Songs mit Gesang ist das anders – da gibt es ein Gespräch. Wenn jemand in einem Gespräch kurz schweigt, wartest du auf die nächste Antwort. Aber dieses Album ist <em>kein Gespräch</em>. Es ist ein <em>Gemälde</em>.<br>Und du darfst mir dabei zusehen, wie ich male. Das allein ist interessant genug.<br><br><strong>Und wann weißt du, dass Dein Gemälde fertig ist?<br></strong>Wenn ich spüre, dass es natürlich zu Ende ist – nicht, weil ich es plane, sondern weil es sich richtig anfühlt. Manche Stücke sind viel kürzer, als ich erwartet hätte, andere viel länger. Zum Beispiel „Timelapse“ – das wirkt beim Spielen gar nicht so lang, aber wenn ich es höre, denke ich: „Wow, das zieht sich ganz schön.“ Aber beim Spielen war ich einfach völlig versunken. Live passiert das wieder – ich verliere das Zeitgefühl. Und das ist auch okay. Wie lange schaut man auf eine Landschaft? So lange, wie man möchte.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img decoding="async" loading="lazy" width="788" height="461" src="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2025/11/sohn-interview_3.jpg" alt="" class="wp-image-46841" srcset="https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2025/11/sohn-interview_3.jpg 788w, https://blueprint-fanzine.de/wp-content/uploads/2025/11/sohn-interview_3-700x410.jpg 700w" sizes="(max-width: 788px) 100vw, 788px" /></figure>



<p class="has-white-background-color has-background"><strong>Hast du dir Gedanken gemacht, wie das Publikum auf so ein stilles, instrumentales Album reagiert – vor allem live?<br></strong>Ehrlich gesagt nicht wirklich. Ich habe das Album gemacht, weil ich es mochte – das ist alles. Wenn ich es gut finde, dann ist es gut. Ich glaube, viele meiner Hörer ticken ähnlich. Natürlich – wer mich nur wegen Songs wie „Hard liquor“ kennt, wird mit „Alberta“ vielleicht wenig anfangen können. Das ist okay. Aber wer über „Tremors“ oder „The wheel“ zu mir gefunden hat, wird es verstehen. Es hängt einfach davon ab, woher man kommt.<br><br><strong>In Hamburg wirst du jedenfalls auf ein sehr stilles Publikum treffen – dort sind die Leute beim Konzert immer sehr ruhig.<br></strong><em>(lacht)</em> Dann versuche ich, <em>noch</em> leiser zu sein! Wir spielen „Wer-blinzelt-zuerst?“<br>Vielleicht stelle ich ein Schild auf, auf dem steht „Applaus“ – und drücke am Ende eines Stücks einfach einen Knopf.<br><br><strong>Zum Schluss: Gibt es etwas, das du musikalisch noch nie gemacht hast, aber gerne ausprobieren würdest?<br></strong>Ja, auf jeden Fall. Ich würde gern mal ein komplett gemeinsames Album machen – ein richtiges Kollaborationsprojekt von Anfang bis Ende.<br>Und ich würde gern ein Album schaffen, das <em>fließt</em> – ohne Pausen zwischen den Stücken. Viele meiner Lieblingsplatten tun das, wie „Laughing stock“ von TALK TALK.<br>Es ist verrückt, dass ich so etwas noch nie gemacht habe, obwohl ich diese Art von Alben liebe. Aber es ist technisch gar nicht so einfach, weil man alles am Stück aufnehmen müsste, im selben Raum, mit derselben Energie. Ich würde das gern einmal tun – mich für ein paar Wochen an einen Ort zurückziehen und einfach <em>ein ganzes Album in einem Atemzug aufnehmen.</em><br><br><strong>Das klingt fantastisch. Ich wünsche dir alles Gute für das neue Album – und vielen Dank für das Gespräch.<br></strong>Danke dir. Und ich werde an das stille Publikum denken!</p>



<p class="has-white-background-color has-background"><strong>Hier die bevorstehenden Tourdaten von SOHN:<br></strong><br>30.11.2025 – Bristol, UK – The Lantern, Bristol Beacon<br>01.12.2025 – Manchester, UK – Hallé St Michael’s<br>03.12.2025 – London, UK – St Matthias Church<br>04.12.2025 – London, UK – St Matthias Church<br>06.12.2025 – Paris, France – L’Archipel<br>08.12.2025 – Gent, Belgium – DE CENTRALE<br>09.12.2025 – Köln, Germany – Stadtgarten<br>11.12.2025 – Hamburg, Germany – Christianskirche (Kirchengemeinde Ottensen)</p>
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		<title>A TALE OF GOLDEN KEYS – Dinosaurs Forever!</title>
		<link>https://blueprint-fanzine.de/a-tale-of-golden-keys-dinosaurs-forever/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Emil Drexler]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 26 Oct 2025 11:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Interviews]]></category>
		<category><![CDATA[bp_highlight]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ach ja, es gibt so Bands, wo man sich immer fragt, warum sind die eigentlich nicht erfolgreicher. A TALE OF GOLDEN KEYS (ATOGK) aus Nürnberg sind so eine Band. An der Musik kann es auf keinen Fall liegen. Ihr melancholischer Indie-Rock ist einfach nur wunderschön. Und wird in diesem Jahr stolze 15 Jahre alt. Was [&#8230;]</p>
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<p class="has-white-background-color has-background">Ach ja, es gibt so Bands, wo man sich immer fragt, warum sind die eigentlich nicht erfolgreicher. A TALE OF GOLDEN KEYS (ATOGK) aus Nürnberg sind so eine Band. An der Musik kann es auf keinen Fall liegen. Ihr melancholischer Indie-Rock ist einfach nur wunderschön. Und wird in diesem Jahr stolze 15 Jahre alt. Was natürlich mit einer Jubiläumstour quer durch Deutschland gefeiert werden muss. Und das ist nicht das einzige Jubiläum, sondern auch ihr wohl erfolgreichstes Album &#8222;Everything went down as planned&#8220; feiert Geburtstag &#8211; zehn Jahre hat das gute Ding mit den Dinos auf dem Cover nun schon auf dem Buckel. Das nahmen wir als Anlass, unseren Schreiber Emil mal bei Jonas, Schlagzeuger von ATOGK, vorbei zu schicken, um über die letzten 15 Jahre zu sprechen.<br><br>Außerdem verlosen wir <a href="https://blueprint-fanzine.de/verlosung-gaestelistenplaetze-bei-a-tale-of-golden-keys/">hier</a> 2 Gästelistenplätze für die bevorstehende Tour.</p>



<p class="has-white-background-color has-background"><strong>Hallo Jonas! Gut drei Jahre habt Ihr nun Pause gemacht, die Veröffentlichung Eures letzten richtigen Albums „The only thing that‘s real“ ist sogar schon fünf Jahre her. Warum hat das so lange gedauert?<br></strong><em>Nachdem wir 2022 unsere 2020 wegen Covid ausgefallene Tournee nachgeholt haben, haben wir in der Tat eine nicht geplante Pause eingelegt. Eigentlich wollten wir damals ein neues Album aufnehmen, aber das hat irgendwie nicht geklappt. Aber ganz untätig waren wir nicht, wir haben mit „Manic“, „Something political“ und nun zuletzt mit „Slow motion“ drei neue Songs aufgenommen.<br></em><br><strong>Ist denn jetzt mit einem neuen Album zu rechnen, oder ist das Jubiläum der eigentliche Antrieb für die kommende Tour?<br></strong><em>Tatsächlich ist es so, dass wir einfach wieder Bock hatten, auf die Bühne zu gehen und Musik zu machen. Dass das dann mit dem Jubiläum so gut passte, war natürlich perfekt.</em><br><em><br></em><strong>Lass uns mal zurückschauen. Vor 15 Jahren habt Ihr angefangen, und bereits Euer fünfter Auftritt war beim Rock im Park. Wie kam es denn dazu?<br></strong><em>Wir haben damals in Nürnberg bei einem Bandwettbewerb mitgespielt. Unser allererster Auftritt war das. Wir sind direkt eine Runde weitergekommen und haben dann tatsächlich gewonnen. Als Preis gab es dann einen kleinen Slot beim Rock im Park. Für uns war das damals natürlich mega aufregend und hat uns auch enorm gepusht.<br></em><br><strong>Wie seid Ihr eigentlich zu Eurem Bandnamen gekommen?<br></strong><em>Das ging ganz schnell. Wir brauchten für unseren ersten Gig dringend einen Namen und sind dann auf die Schnelle auf A TALE OF GOLDEN KEYS gekommen. Ein Name, der für eine Band eigentlich viel zu lang ist. Ihn jetzt aber zu ändern, wäre natürlich schwierig.<br></em><br><strong>Was waren Eure Einflüsse damals, als Ihr angefangen habt Musik zu machen?<br></strong><em>Unser Bassist Flo und ich haben viel Punkrock gehört, also Sachen wie BLINK-182 und FALL OUT BOY, was man eher weniger aus unserer Musik raushört. Viel mehr sind es wohl MUSE und COLDPLAY, die musikalisch unseren Sound geprägt haben. Und eine Band, auf die wir uns alle drei einigen können, ist THE NATIONAL.<br></em><br><strong>Wie demokratisch laufen bei Euch Prozesse ab?<br></strong><em>Wir sind wirklich schon lange befreundet, von daher läuft das in der Regel sehr harmonisch und gleichberechtigt ab. Songs werden in der Regel zusammen geschrieben und arrangiert, auch wenn Hannes (Vocals, Gitarre, Piano) schon unser musikalisches Mastermind ist und wir Flo gerne das Lyrische überlassen. Beim Erstellen der Setlist für unsere kommende Tour waren wir uns eigentlich auch sehr schnell einig.<br></em><br><strong>Werdet Ihr dann jeden Abend die gleiche Setlist spielen?<br></strong><em>Das große Gerüst steht, aber wir haben zusätzlich einige Songs geprobt, die wir dann je nach Lust und Laune einstreuen können.<br></em><br><strong>Welches Lied spielst Du am liebsten live?<br></strong><em>Das ist „Whirling“, in echt eigentlich mit der Sängerin ELENA STERI (inzwischen LNA). Auf Tour übernehmen wir ihren Gesangspart.<br></em><br><strong>Apropos Tour. Was kannst Du uns über die Vorband KARL EGALS KOALAS sagen, und was dürfen Eure Besucher*innen erwarten?<br></strong><em>KARL EGALS KOALAS sind Freunde von uns, ihren Sound kann man am besten mit alten TOCOTRONIC-Sachen vergleichen. Wir sind sehr happy, sie auf Tour dabei zu haben – wir fahren auch gemeinsam im Neunsitzer und vertreten uns am Merchstand.<br>Von uns könnt Ihr auf jeden Fall eine gute Mischung aus alten und neuen Songs erwarten. Nachdem wir auf unserer letzten Tour ziemlich viel aufgefahren haben (so sind wir in der Zeit auch kurzzeitig vom Trio zum Quartett gewachsen, um noch mehr Sounds mit einfließen zu lassen), werden wir eine ziemlich reduzierte ATOGK-Version zum Besten geben, einfach wir Drei an Gitarre/Klavier, Bass und Schlagzeug. Wir haben auf jeden Fall voll Bock. Und natürlich gibt es neues Merch, schicke „Dinosaurs Forever“-Shirts.<br></em><br><strong>Mit AKNE KID JOE, STREICHELT oder auch SCHUBSEN gibt es in Nürnberg Bands, die bestimmt einige Leser*innen bereits kennen. Hast Du darüber hinaus vielleicht noch einen Nürnberger Geheimtipp für uns?<br></strong><em>Definitiv, und zwar gleich zwei: ALDI ALIENS und MERCHBOI. Und sehr gut sind auch DAS FORMAT aus Augsburg.<br></em><br><strong>Vielen Dank, Jonas, für die Zeit, die Du dir genommen hast, und auch nochmal herzlichen Glückwunsch Euch Dreien zum Jubiläum!</strong></p>
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		<title>JON SPENCER &#8211; Wie viel Wut braucht ein guter Song?</title>
		<link>https://blueprint-fanzine.de/jon-spencer-wie-viel-wut-braucht-ein-guter-song/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jens Gerdes]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 10 Jun 2025 15:49:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Interviews]]></category>
		<category><![CDATA[bp_highlight]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wenn JON SPENCER etwas nie war, dann bequem. Seit den wilden Tagen von PUSSY GALORE hat er den Rock ’n’ Roll durch den Schredder gejagt, Blues dekonstruiert, und Trash kultiviert. Mit seiner neuen Single „Come on“ meldet sich Spencer nun solo zurück – rau, direkt und mit einer deutlichen politischen Note in Richtung Trump. Im [&#8230;]</p>
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<p class="has-white-background-color has-background">Wenn JON SPENCER etwas nie war, dann bequem. Seit den wilden Tagen von PUSSY GALORE hat er den Rock ’n’ Roll durch den Schredder gejagt, Blues dekonstruiert, und Trash kultiviert. Mit seiner neuen Single „Come on“ meldet sich Spencer nun solo zurück – rau, direkt und mit einer deutlichen politischen Note in Richtung Trump. Im kurzen Mail-Interview mit blueprint spricht er über die Entstehung des Songs, seinen Blick auf die Gegenwart, alte Bandprojekte und die bevorstehende Europatour. Dabei wird deutlich: in den Ruhestand können sich gerne andere begeben &#8211; JON SPENCER is still on fire.<br><br><strong>Jon, deine neue Single heißt „Come On“ – zwei Worte, aber es klingt wie ein Schlag in die Magengrube. Was genau forderst du da ein?</strong><br><em>Politisches Engagement. Soziale Verantwortung. Empathie. Mitgefühl. Ein Aufruf an meine amerikanischen Mitbürger, der aktuellen Regierung und ihrer faschistischen Machtübernahme Widerstand zu leisten.</em><br><br><strong>Wenn man deine lange musikalische Vergangenheit betrachtet: Pussy Galore, Boss Hog, Blues Explosion, Heavy Trash … Ist „Come on“ eine Fortsetzung oder ein Abschied?</strong><br><em>Eine Fortsetzung. Die Elemente des Garage-Punks, R’n’B, Soul und Hip-Hop der 60er sind in meiner gesamten Karriere präsent.</em><br><br><strong>Du klingst wütender denn je. Was genau macht dich so wütend?</strong><br><em>Die derzeitige US-Regierung und ihre faschistische Machtübernahme.<br><br></em><strong>Das Video zu „Come on“ ist wie ein surrealer Albtraum – brennende Schilder, tanzende Skelette, Talentshow-Horror. Was war die Idee dahinter?</strong><br><em>Es ist ein Appell an meine amerikanischen Mitbürger, aufzustehen, mitzumachen und sich zu engagieren.</em><br><br><strong>Bald geht’s auf Europatour. Was erwartet uns live? Und wirst du irgendwann auch mit deinen anderen Bands/Nebenprojekten zurückkommen?</strong><br><em>Die Leute können sich auf eine energiegeladene Rock’n’Roll-Show freuen. Ich habe derzeit aber keine Pläne, später mit anderen Bands/Nebenprojekten zurückzukehren.</em><br><br><strong>Du hast deinen Sound zigmal neu erfunden. Ist’s nicht manchmal verlockend, einfach die „Hits“ zu spielen?</strong><br><em>Nicht wirklich, ich würde sagen, dass ich mich weiterentwickle. Abgesehen davon können die Leute erwarten, bei den kommenden Shows viele meiner früheren „Hits“ zu hören.</em><br><br><strong>In „Talk about the blues“ heißt es: „I don&#8217;t play no blues. I play rock &#8217;n&#8216; roll.“ Was ist der Unterschied – und wer hat’s verbockt?</strong><br><em>Wer sagt denn, dass da etwas verbockt wurde?</em><br><br><strong>Glaubst du, dass Rock’n’Roll heute noch gefährlich ist?</strong><br><em>Manchmal.</em><br><br><strong>Du warst Underground, bevor es Spotify-Playlists gab. Wie blickst du auf das heutige DIY-Musikmachen – mehr oder weniger Freiheiten als früher?</strong><br><em>Ich mag DIY. Ich bin kein großer Fan von Streaming-Diensten, die Künstler nicht bezahlen.</em><br><br><strong>Was ist das Blödeste, das dir je auf Tour passiert ist?</strong><br><em>Zu viele Beispiele, um sie hier aufzulisten.</em><br><br><strong>Wird man eigentlich entspannter oder radikaler, je länger man das alles macht?<br></strong><em>Irgendwie beides.</em><br><br><strong>Zum Schluss: Wenn du die US-Nationalhymne durch einen deiner Songs ersetzen dürftest – welcher wäre es?</strong><br><em>Würde ich nicht machen.</em></p>



<figure class="wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<p class="responsive-video-wrap clr"><iframe loading="lazy" title="Jon Spencer  - Come On!" width="1200" height="675" src="https://www.youtube.com/embed/iVjX77W3tgc?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe></p>
</div></figure>



<p class="has-white-background-color has-background"><strong>Hier die aktuellen Tourdaten:</strong><br>10.06.25 Schorndorf, Manufaktur<br>11.06.25 Mainz, Schon Schön<br>12.06.25 Köln, Bumann &amp; Sohn<br>13.06.25 Münster, Gleis 22<br>14.06.25 Dresden, Beatpol<br>15.06.25 Berlin, Lido (+ ZOON PHONANTA)<br>18.06.25 Hamburg, Molotow (+ ZOON PHONANTA)<br>19.06.25 Hannover, Café Glocksee</p>
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		<title>PEDRO THE LION &#8211; Musik als Therapie</title>
		<link>https://blueprint-fanzine.de/pedro-the-lion-musik-als-therapie/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jens Gerdes]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 24 Feb 2025 20:37:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Interviews]]></category>
		<category><![CDATA[bp_highlight]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ende letzten Jahres trafen wir David Bazan, den Kopf hinter PEDRO THE LION, nach seinem Konzert im Hamburger Hafenklang zum Interview. Daraus entwickelte sich ein sehr persönliches Gespräch, in dem David das Konzept hinter seiner Album-Pentologie erklärte. Denn auf den fünf Alben steckt mehr als der thematische Bezug zu vergangenen Wohnorten, es handelt sich dabei [&#8230;]</p>
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<p class="has-white-background-color has-background">Ende letzten Jahres trafen wir David Bazan, den Kopf hinter PEDRO THE LION, nach seinem Konzert im Hamburger Hafenklang zum Interview. Daraus entwickelte sich ein sehr persönliches Gespräch, in dem David das Konzept hinter seiner Album-Pentologie erklärte. Denn auf den fünf Alben steckt mehr als der thematische Bezug zu vergangenen Wohnorten, es handelt sich dabei auch um die Aufarbeitung seiner teils schwierigen Kindheit. Wie die Musik ihm dabei eine Struktur und Halt gab, berichtete uns David im Interview: </p>



<p class="has-white-background-color has-background"><strong>David, Du agierst unter dem Namen PEDRO THE LION als Songwriter ja ganz autark. Wie ist es für Dich, wieder zusammen mit anderen Musikern auf Tour zu sein? Ist es Dir wichtig, wer Dich dabei begleitet?</strong><br><em>Zu dritt im Auto herumzufahren, macht einfach Spaß. Aber es ist für mich schon entscheidend, mit wem. Es kann sonst auch nervig werden, denn der Zeitplan auf Tour ist irgendwie verrückt. Man ist ständig von Unklarheiten umgeben, dann verpasst man das Abendessen und muss trotzdem physisch und mental gesund bleiben. Mir geht es gerade ziemlich gut, aber Erik (Walters) und Rebecca (Cole) haben noch mit dem Jetlag zu kämpfen.</em><br><br><strong>Wie lange begleiten Dich die beiden schon live? Haben sie auch bei den Aufnahmen mitgewirkt?</strong><br><em>Erik begleitet mich seit 2017, also schon richtig lange, Rebecca erst seit Mai oder Juni dieses Jahres. Auf dem aktuellen Album habe ich alle Keyboards und Drums eingespielt und die Vocals eingesungen, während Erik die Gitarren übernommen hat. Auf dem Album davor, „Havasu“, habe ich auch die Gitarren eingespielt.</em><br><br><strong>Aber für die alten Songs mussten auch die Basslinien auf Synthies transkribiert werden, oder?</strong><br><em>Rebecca hat bei WILD FLAG Bass und Keyboard gespielt, insofern hat sie schon viel Erfahrung, wie man einen Rock ‘n’Roll-Bass mit der linken Hand spielt. Ich musste ihr da nichts erklären. Wenn man den Bass einfach auf Midi programmieren würde, fehlte da der Swing. Für so etwas hat Rebecca Gespür, das ist super.</em><br><br><strong>Was war für Dich eigentlich ausschlaggebend, auf der Bühne von der Gitarre wieder ans Schlagzeug zu wechseln?</strong><br><em>Ich habe mich im März dazu entschlossen. Das Album war fertig, und wir suchten nach einem Drummer. Die Idee, wieder ans Schlagzeug zu wechseln, existierte schon länger in meinem Kopf, und so machte ich es einfach. Für mich ist das ein fortlaufendes Projekt. Aber ich spiele einfach am längsten Schlagzeug, habe Unterricht genommen und es lange geübt. Es tut mir mental gut, ich mag gerne gegen die Drums singen, ich fühle den Groove mehr. Da fühle ich mich einfach am wohlsten.</em><br><br><strong>Lustigerweise mag ich als Gitarrist gerade Deine schön-traurigen Harmonien und Arpeggio auf der Gitarre ausgesprochen gerne.</strong><br><em>Oh, vielen Dank! Es gibt einen komplexen Hintergrund, warum mich das Gitarrenspielen irgendwann immer mehr frustriert hat. Aber inzwischen liebe ich die Gitarre wieder, und es ist ja auch ein tolles Instrument, auf dem man sich ausdrücken kann.</em><br><br><strong>Oder hängt es damit zusammen, dass man manchmal Dinge abschließen muss, um etwas Neues zu starten?</strong><br><em>Das habe ich in der Vergangenheit so gehandhabt, inzwischen aber nicht mehr. Da habe ich mich viel zu lange mit einer Sache aufgehalten, bis ich irgendwann festgestellt habe, dass ich einfach das machen sollte, worauf ich Lust habe.</em><br><br><strong>Du hast 15 Jahre lang kein neues Material unter dem Namen PEDRO THE LION veröffentlicht, nun erscheinen gleich fünf zusammenhängende Alben. Wie kam es dazu?</strong><br><em>Ich habe mich 2016 dazu entschlossen, fünf zusammenhängende Alben zu veröffentlichen und erst im zweiten Schritt, dies unter dem Namen PEDRO THE LION zu machen. Im Kopf habe ich zuerst das Grundgerüst erstellt und mir Gedanken gemacht, wie es klingen sollte. Danach kam mir die Idee, dass ich dies lieber unter einem Bandnamen als unter „DAVID BAZAN“ machen will. Und so wurde mir nach und nach klar, dass dieses Projekt die Rückkehr zu etwas bedeuten würde. Zu meiner Kindheit und zu mir selbst. Der Entschluss, dies unter dem Namen PEDRO THE LION zu tun, gab mir die Möglichkeit, Dinge mit mir selbst auszumachen. Denn ich neige dazu, mich für andere Menschen, die mir wichtig sind, selbst zu verraten. In PEDRO THE LION kann ich Zeit und Energie investieren, wo ich mich mit mir selbst auseinandersetze und auf mich achte. Es war der perfekte Monitor, ein Sound, zu dem ich zurückkehrte und den ich mit anderen Dingen vermischte, die mich beschäftigten. Für meinen Empfinden war dies eine richtige Entscheidung. Ich denke auch, dass die Alben unter dem Namen „David Bazan“ anders geklungen hätten, da PEDRO THE LION für mich immer eine 3-Mann-Band bedeutete, was bereits eine bestimmte Struktur vorgibt. Der Synthesizer kam letztendlich zum Einsatz, um die Klangpalette zu erweitern.</em><br><br><strong>Aber lass uns noch mal zu dem Konzept zurückkommen, das hinter den fünf Alben steckt. Dahinter verbergen sich also fünf Orte, an denen Du Stationen Deines Lebens, also Deiner Kindheit und Deiner Jugend, verbracht hast. Wusstest Du schon vorab, wie die fünf Stationen musikalisch klingen werden?</strong><br><em>Das war mehr dem Entdeckungsprozess geschuldet. Ich wollte die Platten klingen lassen, wie sich die Orte speziell für mich anfühlen. Das ist zwangsläufig nicht auf andere Menschen übertragbar, wobei dies sogar manchmal passiert. Auf der „Phoenix“-Tour kam Jared, ein Nachbarsjunge von dort, zum Konzert nach Tacoma und sagte: „Ich weiß nicht, wie Du es gemacht hast. Aber die Platte klingt wie unsere damalige Straße!“ Das hat mich in meiner Wahrnehmung bestätigt.</em><br><em><a href="https://blueprint-fanzine.de/pedro-the-lion-phoenix/">„Phoenix“</a> und <a href="https://blueprint-fanzine.de/pedro-the-lion-havasu/">„Havasu“</a> sind in meinen Augen Wüsten-Platten, die viel Sound in den hohen Frequenzen beinhalten, die das Firmament, die Berge und das Land vertonen. <a href="https://blueprint-fanzine.de/pedro-the-lion-santa-cruz/">„Santa Cruz“ </a>ist etwas tanzbarer, dort gibt es Berge, Bäume, Meer und Plätze, auf denen hohe Kiefern ein Blätterdach bilden. Wie ein Stadtparadies.</em><br><em>Und zudem wollte ich an die Plätze zurückkehren und mich mit Erinnerungen auseinandersetzen. Zum Teil traumatische Erinnerungen, aber auch Momente, wo ich dachte: „Oh man, hätte ich das damals bloß nicht gemacht!“ Bis mir im nächsten Augenblich auffiel, dass dies bereits 25 Jahre in der Vergangenheit liegt. Aber die Scham darüber sitzt zum Teil noch richtig tief, so dass mir direkt einfiel, dass die Kinder aus der fünften Klasse in der Mensa Witze darüber erzählten. Dies sind Kernerinnerungen, die ich heraufbeschwören wollte und nun in den Texten verarbeite, während die Musik die Orte darstellt.</em><br><br><strong>Hast Du noch Eltern, und stehst Du noch im Kontakt mit ihnen?</strong><br><em>Ja, sie leben in Texas, und ich habe sogar noch eine Großmutter in Phoenix. Meine Eltern waren beide die Erstgeborenen und bekamen schon früh ihre Kinder. Ich bin ebenfalls der Erstgeborene, so dass besagte Großmutter bei meiner Geburt erst 42 Jahre alt war.</em><br><br><strong>Hast Du Ihnen auch die Alben vorgespielt?</strong><br><em>Ja, ich glaube, das war eine ziemliche Herausforderung für sie. </em>Aber das ist okay.<br><br><strong>Aber für Dich war es sicherlich auch anstrengend. Muss man dafür mit seiner Vergangenheit im Reinen sein?</strong><em>Der schwierigste Teil ist für mich, welche Auswirkungen mein Handeln auf andere Menschen hat. Hier musste ich mich auch mit mir selbst auseinandersetzen, und diese Aufgabe war mir wirklich wichtig. Als ich zum zweiten Album „Havasu“ kam, musste ich ein Jahr lang mit dem Schreiben aufhören, weil ich nicht weiterkam. Es blieb zwar unausgesprochen, aber als Kind musste ich das Drama auf ein Minimum beschränken und nicht verstärken. Probleme wurden heruntergeschluckt, irgendwie ging es weiter. Auf der Platte mache ich nun genau das Gegenteil. Ich erlebe Momente erneut, in denen ich Schmerzen hatte, ich mache sie öffentlich und betrachte sie nun mit Abstand aus der Sicht eines Erwachsenen. Das war ziemlich hart, aber zugleich auch gut. Hier habe ich auch meine Eltern belastet oder hatte zumindest darum Sorge. Deshalb steckte ich zwischendurch fest, aber am Ende des Jahres gab es große Veränderungen in meinem Leben, die mir auch dabei halfen, diese Platte abzuschließen.</em><br><br><strong>Puh, das klingt nach einem harten Prozess. Aber ich muss Dir sagen, dass auch mir vor allem „Havasu“ sehr zu Herzen ging. Wahrscheinlich hast Du mit dieser persönlichen Aufarbeitung somit auch viele PEDRO THE LION-Fans beglückt.</strong><br><em>Oh, das freut mich sehr! Vielen Dank! Das wäre natürlich cool.</em><br><br><strong>Zugleich fand ich es aber auch faszinierend, dass „Havasu“ ja nur die Spanne von einem Jahr umfasst, als Du zwölf Jahre alt warst, wo thematisch so viel passierte, während das dritte Album „Santa Cruz“ ganze acht Jahre aus Deiner Jugend abbildet. Kannst Du bereits Einblicke in die folgenden zwei Alben gewähren?</strong><br><em>Ja, auf dem nächsten Album wird die Zeitspanne von meinem 21.-45. Lebensjahr folgen, also eine noch viel längere Periode. Im Wesentlichen spielt dieses Album in Seattle und auf Tour. Da werde ich auf einzelne Ausschnitte zoomen.<br>Das fünfte Album kehrt zurück zu der Zeit vor „Phoenix“, auf der Zeitachse also noch vor dem ersten Album, von der Geburt bis zu meinem fünften Lebensjahr. Aber das ist alles noch nicht ganz spruchreif, weil ich daran natürlich keine richtigen Erinnerungen mehr habe. Ich habe aber schon eine gute Vorstellung davon, wie der Bogen klanglich und energetisch sein wird.</em><br><br><strong>In der Coronazeit hast Du wöchentlich Live-Streaming-Konzerte gegeben. Was haben Dir diese Konzerte bedeutet?</strong><br><em>Diese Konzerte fielen zusammen mit wirklich schwierigen Veränderungen in meinem Leben. Ein paar Monate vor Corona änderte sich meine Wohnsituation, durch den Lockdown wurde mein Job gekündigt, und vielen anderen ging es genauso. So gaben mir diese regelmäßigen Streaming-Konzerte eine gewisse Ordnung und Energie. Ich spiele einfach gerne, und nachdem ich ein wenig mit der Anlage herumexperimentiert hatte, empfand ich durch diese Streaming-Konzerte ein ähnliches Hochgefühl wie bei Live-Auftritten, das mir nachhaltig guttat und jeden Mittwoch neue Energie brachte. Das habe ich etwa ein halbes Jahr lang gemacht. Es war eine wirklich schwierige Zeit, aber diese Gigs haben mir enorm geholfen.</em><br><br><strong>Hattest Du online noch mehr Austausch mit den Fans als bei richtigen Konzerten?</strong><br><em>Eigentlich ja. Ich werde auch wieder anfangen, Livestreams zu machen. Nicht in diesem Ausmaß, aber vielleicht ein paar Mal im Monat für etwa eine halbe Stunde. Ich mochte diese Energie wirklich gerne.</em><br><br><strong>Früher hast Du auf Konzerten gerne auch Fragen aus dem Publikum zu allen möglichen Themen beantwortet.</strong><br><em>Stimmt, aber das ist manchmal ausgeartet und hat dann einfach zu viel Zeit in Anspruch genommen. Deshalb habe ich es irgendwann sein lassen. Auf der letzten Tour ist dieser Dialog zufällig ein- oder zweimal aber wieder aufgetaucht. Aber das werde ich nicht wieder regelmäßig einführen.</em><br><br><strong>Das erinnert mich fast ein wenig an NICK CAVE.</strong><br><em>Du meinst die <a href="https://www.theredhandfiles.com/">Red Hand Files</a>? Oh, ja, das ist wunderschön!</em><br><br><strong>Interessant, dass scheinbar introvertierte Künstler doch gerne den Austausch mit dem Pubikum suchen.</strong><br><em>Auf jeden Fall! Ich weiß auch nicht, woran das liegt. Vielleicht wird die Kunst später extrovertierter.</em><br><br><strong>Wie wird es nach den fünf Alben weitergehen?</strong><br><em>Ich weiß es nicht. Überhaupt nicht. Aber erst mal sind ja zwei weitere Alben geplant. Das zweite und dritte waren die schwierigsten für mich. Das nächste wird auch ein wenig kompliziert, aber es ist schon halbwegs fertig. Und die fünfte Platte wird sich direkt und auf besondere Weise an den anderen Platten orientieren. Immerhin habe ich schon „Santa Cruz“ geschafft und bin sehr zufrieden damit. Aber jedes neue Album ist eine Herausforderung, aber zum jetzigen Zeitpunkt fühlt es sich sehr machbar an.</em><br><br><br><a href="http://pedrothelion.com/">http://pedrothelion.com/</a></p>
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