MICK HARVEY – Sketches from the book of the dead

Vielleicht ist es besser, nicht mit MICK HARVEY befreundet zu sein, beschaut man sich, wie viele Menschen in seinem Umfeld zu Tode gekommen sind. Aber das ist wahrscheinlich viel zu morbide gedacht. MICK HARVEY, der immer als einer der BAD SEEDS galt und mit vielen anderen Musikern kollaborierte, zeigt uns auf „Sketches from the book of the dead“ seine ganze, düstere Kunst. Und die fesselt. Sofort.
Natürlich fallen einem die Parallelen zu NICK CAVEs „Murder ballads“ und PJ HARVEYs „Let England shake“ (an dem er auch selbst mitwirkte) auf, die sich auch beide mit dem Tod beschäftigen. MICK HARVEY wird hier aber wesentlich persönlicher, deutlicher und eindringlicher. „Sketches from the book of the dead“ erzählt von den vielen Möglichkeiten, dieses Leben viel zu früh zu verlassen und von den Folgen für die, die hier bleiben. Von den Schwierigkeiten, mit einem Selbstmord umzugehen („The ballad of Jay Givens“), von der großen Liebe und ihrem tragischen Ende, vom Dasein als Waise und und und.
Das Ganze in einer an JOHNNY CASH und natürlich NICK CAVE gemahnenden Art, interessant instrumentiert, stark und dennoch zurückhaltend, melodiös und doch schmerzend („Two paintings“), so, wie man es mit „Dark America“ überschreiben würde. MICK HARVEY löst mit seiner Stimme, seinen Texten und dem Arrangement sofort Gefühle beim Hörer aus, lässt ihn eintauchen in die traurige Welt des Buches der Toten, ohne dabei eine Katharsis zu bezwecken – weder für sich selbst noch für den Hörer. Es ist einfach so, dass diese Geschichten erzählt werden mussten, auch um zu zeigen, dass der Tod immer ein Bestandteil unseres Lebens sein wird.
Nach dem Hören von „Sketches from the book of the dead“ wünscht man sich fast, dass MICK HARVEY auch für einen selbst einen solchen Song schreiben würde, mit dem man im Gedächtnis bleiben kann. Fast.
Aber hören sollte man dieses Album trotz Sonnenschein und Frühlingsgefühlen auf jeden Fall.

Bewertung: 8/10

Veröffentlichungsdatum: 29.04.2011

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