KINGS OF CONVENIENCE – Peace or love

 
Kürzlich las ich in einer renommierten Zeitung eine vernichtende Review zu einem von Erlend Øyes Nebenprojekten, ich glaube, es war zu LA COMITIVA. In diesem Zusammenhang ließ der/die Autor/in auch kein gutes Wort an die KINGS OF CONVENIENCE. Inhaltlich hieß es in etwa: solch säuselige Musik passe einfach nicht mehr in das heutige politische Klima.
Was für ein Unfug! Darf man in Zeiten von Autokraten nur noch THE (INTERNATIONAL) NOISE CONSPIRACY hören? Sollte man zur Unterstützung der Black-Lives-Matter-Bewegung NoFXs „Kill all the white man“ pfeifen? Gebietet es sich aus Solidarität mit LGBTQI+, etwas anderes als LE TIGRE aufzulegen?
Es ist sicherlich sinnvoll, die Antisemitismus-Debatte bei Richard Wagner auch mehr als 100 Jahre nach seinem Ableben nicht zu den Akten zu legen, aber einer Band aufgrund ihrer musikalischen Leichtigkeit die Daseinsberechtigung abzusprechen, erscheint mir doch ein wenig anmaßend. Natürlich haben die beiden Norweger mit ihrem Debütalbum „Quiet is the new loud“ vor zwanzig Jahren für Aufsehen gesorgt und galten schließlich als Mitbegründer des gleichnamigen musikalischen Genres. Leichfüßiger akustischer Indie-Folk mit zweistimmigem Gesang und immer wieder auch der (in meinen Augen nur bedingt zutreffende) Vergleich mit SIMON & GARFUNKEL. Diese musikalische Ausrichtung hat sich auch auf ihrem vierten Album nicht grundlegend verändert, und der Titel „Peace or love“ deutet bereits an, dass auch 2021 kein gewaltsamer Umsturz des Systems ausgerufen wird. Stattdessen herrscht ein sanfter, warmer Sound vor, manchmal nachdenklich melancholisch, an anderer Stelle leichtfüßig und beschwingt. Als Gastsängerin tritt Leslie Feist bei zwei Stücken in Erscheinung, zudem wurden einige Songs mit Geige, Klavier, Kontrabass und dezenten Drums unterlegt. In der Summe wieder ein schönes Album, um sich zurückzulehnen und die Seele baumeln zu lassen. Gerade in politisch unruhigen Zeiten nicht zu unterschätzen!
 

Bewertung: 8/10

Veröffentlichungsdatum: 18.06.2021